07.03.17 – Fachgeschäft Monat März

„Wunschbrunnen“ in Wandlitz

Mit dem „Wunschbrunnen“ machte Julia Cys aus Wandlitz (nördlich von Berlin) ihr ganz persönliches Märchen wahr: Am Wohnort eröffnete die zweifache Mutter ein Geschäft, das seinesgleichen sucht – und lebt und arbeitet glücklich und zufrieden dort, wo andere Urlaub machen.

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Julia Cys hat sich mit und in ihrem Wandlitzer Geschäft einen eigenen, ganz persönlichen Wunschbrunnen gebaut.

 
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Neben Spielzeug offeriert der „Wunschbrunnen“ auch Einrichtungsideen für den Frühling.

 
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Wer den „Wunschbrunnen“ betritt, wähnt sich in einer wundervollen, schöneren Welt: Mitten im Raum sowie entlang der rechten Wand reiht sich Interessantes für die Kinderbeschäftigung auf schlichten Regalen dicht an dicht nebeneinander, stapeln sich Gesellschaftsspiele, lugen Bücher hervor, versammeln sich Tierfiguren, verlocken Holzpuzzles zum Ausprobieren – Julia Cys bestückt ihr Geschäft in der Wandlitzer Dorfmitte mit ganz besonderen Produkten.

„Ich bin ein romantischer Mensch, liebe Märchen über alles und mag es lieber altmodisch“, erklärt sie den Namen und das Sortiment ihres 65 m² großen Ladens. Schon als die gelernte Augenoptikerin (spezialisiert auf Kinderoptometrie) nach der Geburt ihrer zweiten Tochter das damals einzige Spielzeuggeschäft in Wandlitz eröffnete, suchte man Elektronisches und Lizenzartikel vergeblich im „Wunschbrunnen“. Stattdessen startete Cys damals, vor vier Jahren, mit nachhaltigem, pädagogisch wertvollem (Holz-)Spielzeug von deutschen, französischen und belgischen Herstellern in ihre Selbstständigkeit.

„Der Spielwert und die Besonderheit meiner Produkte sind für mich sehr wichtig“, betont die selbstbewusste Ladeninhaberin: „Ich biete lieber Spielwaren der Marke Kraul zum Experimentieren oder von Eitech an, weil die Kunden das aus ihrer Kindheit kennen und das damals Geliebte gerne für ihre Kinder einkaufen.“ Außerdem sei es riskant, sich nach Trends zu richten – zum einen bestehe die Gefahr, auf der Ware sitzen zu bleiben, und zum anderen „möchte ich nicht so vergleichbar mit großen Spielwarenketten sein, bei denen ich preislich nicht mithalten kann“.

Perfekte Mischung

Die Entscheidung von 2013 erwies sich als klug, denn seit einem Jahr gibt es in der Nähe einen großen Rossmann mit Spielwaren-Angebot und einen Lego-Laden. Obwohl sich deren Sortimente „zum Glück“ kaum mit dem des „Wunschbrunnens“ überschneiden, blieben vergangenes Jahr vor Weihnachten die Kunden aus. Julia Cys verkaufte viele Artikel bis 20 Euro, aber kaum große Hauptgeschenke: „Das macht das geschäftliche Überleben natürlich schwer, wenn man zum Laden der Kleinigkeiten für Kita- und Schulgeburtstage wird. Es wird alles online gekauft“, klagt sie.

Am Preiskampf im Internet möchte sie sich dennoch nicht beteiligen, und deshalb hat die 33-Jährige früh ihr zweites Standbein aufgebaut: Cys veranstaltet Kindergeburtstage im bzw. ums Geschäft oder auch bei den Kleinen zu Hause. Für Hochzeiten und größere Veranstaltungen wird das „Wunschbrunnen“-Team ebenfalls gerne gebucht und arbeitet inzwischen mit Hotels sowie Hochzeitsplanern zusammen.

Bei solchen Events (und natürlich auch im Laden) halten viele die 65-jährige Angestellte für Julia Cys' Mutter: „Niemand kommt auf die Idee, dass eine junge Unternehmerin eine so deutlich ältere Mitarbeiterin einstellen würde. Dabei ist gerade diese Mischung perfekt“, betont Cys. Jeder habe seine persönlichen Stammkunden, das Mehr an Lebenserfahrung hilft bei wichtigen Geschäftsentscheidungen und auf Hochzeiten ist die geschätzte Kollegin sehr gefragt: „Die kleinsten Kinder stürzen sich immer mehr auf den Oma-Typ und die älteren Kinder kommen zu mir.“

Volles Vertrauen

Viel Abwechslung gibt es auch im „Wunschbrunnen“ selbst: Seien es die beiden Präsenter mit Neuheiten und/oder Saisonartikeln mitten im Raum, die Spielzeugregale in der rechten Hälfte oder die Textilien, Schuhe und großzügig angelegte Spielecke für junge Gäste im linken Bereich – kleine und große Kunden entdecken immer etwas Neues: „Wir dekorieren und räumen sehr häufig um“, erklärt Cys ihr Konzept. Eine „liebevoll gestaltete Dekoration“ zu Halloween, Winter und Sommer gehört ebenfalls fest dazu.

Seit sie ihr Geschäft im April 2016 vergrößert hat, verkauft Julia Cys zusätzlich Kinderschuhe von Superfit und Bekleidung von Maximo. Handgemachte Textilien lässt sie exklusiv nähen; für Werke von Kinderbuchautoren aus Wandlitz oder Umgebung, handgemachten Schmuck des örtlichen Labels Perlenprächtig sowie für Bilder von Berliner Künstlern findet die tief in ihrer Heimat verwurzelte Ladenbesitzerin immer einen Platz.

Bei der Zusammenstellung ihres bunten, vielseitigen und immer ein bisschen anderen Sortimentes ist sie so frei, wie man es sich nur wünschen kann. Zuallererst geht sie nach dem eigenem Geschmack, dann sucht sie aber auch das Gespräch: „Ich lasse mich sehr gern von kompetenten Außendienstlern beraten, da gibt es einige wenige, denen ich voll vertraue.“ Zudem merkt sich die 33-Jährige gut, wonach Kunden fragen, und fährt zur Nürnberger Spielwarenmesse, um sich dort persönlich von der Qualität der Produkte zu überzeugen.

Auf ihrem Messe-Programm stehen zudem Termine mit TÜV und Dekra: „Mir ist es bei der Kundenberatung extrem wichtig, Aussagen treffen zu können, auf welche Art und Weise und mit welchen Inhaltsstoffen meine Spielwaren hergestellt wurden. Meine Kunden haben keine Zeit, sich diesbezüglich lange zu belesen und Testberichte nachzuschlagen ... das übernehme ich für sie!“ Dass dieser Service stark nachgefragt und dankbar angenommen wird, hat Julia Cys schon früh bemerkt.

Ständige Veränderung

Mit dem „Geschenke-Notdienst“ erfüllt sie ein weiteres Kundenbedürfnis: Wer „auf den letzten Drücker“ noch ein Geschenk benötigt, ruft außerhalb der Öffnungszeiten einfach die Handy-Nummer auf der „Wunschbrunnen“-Homepage an und lässt sich von der Chefin höchstpersönlich beraten – kostenfreier Bring-Dienst im Umkreis von zehn Kilometern inklusive. Im Sommer nutzen v. a. Touristen, die zum Wandlitzer See kommen, diesen Service; im Winter ist gerade zur Weihnachtszeit viel zu tun.

Zu den besonderen Angeboten des Geschäftes gehören u. a. Nähkurse für Kinder und Erwachsene, ein Beikost-Kurs mit der örtlichen Hebamme, Prosecco-Abende für Facebook-Fans und ein großes Kinderfest. Die dafür eigens aufgestellte Hüpfburg verleiht Julia Cys gegen eine Gebühr und umschifft so das berühmt-berüchtigte Sommerloch, zumal sie auch zahlreiche Sommerprodukte wie Schwimmartikel anbietet. Für Kundenbindung, Werbung und ein direktes Feedback nutzt die engagierte Mutter gerne Facebook; außerdem liegen ihre Flyer im Bahnhof des als Erholungsziel bekannten Ortes bzw. im dortigen Tourismusbüro aus.

„Ich sehe der Zukunft optimistisch entgegen“, sagt Julia Cys, die beharrlich und rastlos ihre Geschichte weiterschreibt: „Ich denke, dass es wichtig ist, sich als Geschäft immer zu verändern und den fehlenden Umsatz durch innovative Ideen und Aktionen auszugleichen.“ Wenn man sich nur breit genug aufstellt, glaubt die Märchen-Freundin, kann man unerwartete Umsatzeinbrüche stets aufs Neue in anderen Bereichen ausgleichen – und da ist wohl etwas Wahres dran!