11.01.18 – Franz Carl Weber

Unser Top-Händler im Januar

Franz Carl Weber ist weit gekommen, auch wenn der neue Standort des Schweizer Spielzeughändlers nur wenige hundert Meter entfernt vom alten liegt.

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In der Schweizer „Spielwelt der Extraklasse“ dürfen Plüschtiere nicht fehlen. © Franz Carl Weber

 
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Alles unter einem Dach: Bei Franz Carl Weber in Zürich gibt's klassische und moderne Spielwaren. © Franz Carl Weber

 
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Das Geschäft mit dem eigenen Bahnhof: Auf 1650 m² und drei Ebenen finden Kunden heute Spielwaren aller Art im Franz Carl Weber am Zürcher Bahnhofplatz 9 – vom klassischen Plüsch- und Holz-Sortiment über Fahrzeuge, Rollenspiel-Ausstattung und Puzzles bis hin zu technischem Spielzeug, Multimedia und Bastelzubehör. Neu ist die Abteilung für Partyartikel: Masken, Girlanden, Papierschlangen, Konfetti, extravagante Ballons und Kostüme warten auf ihren großen Auftritt beim nächsten Kindergeburtstag.

 Unabhängig davon beeindruckt das Geschäft durch seine schiere Menge an unterschiedlichem Spielzeug – es gibt kaum ein Teil, das Franz Carl Weber nicht führt. Entgegen dem propagierten Trend zur Diversifizierung und zum ganzheitlichen Einkaufserlebnis fielen am neuen Standort einige frühere Untermieter des Spielzeughändlers weg: So sucht man die Pizzeria oder den Kinder-Coiffeur aus der Bahnhofstraße 62 vergeblich. „Wir wollen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren“, erklärt Geschäftsführer Yves Burger das Konzept. Und: „Der Zusatznutzen solcher Angebote ist für uns eher klein.“ Allein die Spielsachen zögen Kinder ins Geschäft. Trotzdem begab sich Franz Carl Weber Ende November 2017 in die digitale Welt: Kunden können online nach Produkten suchen und diese dann in der gewünschten Filiale abholen.

Mutig vorausschauend

Wie man sich gegenüber der Konkurrenz am besten behauptet, wusste schon Geschäftsgründer Franz Philipp Karl Friedrich: Als jüngster Spross der Familie Weber aus dem bayerischen Schwarzenbach absolvierte er seine kaufmännische Lehre bei der Spielwaren-Exportfirma Ullmann & Engelmann in Fürth, bevor er mit 24 Jahren der Heimat den Rücken kehrte und sich auf Wanderschaft begab. Obwohl Weber nicht geplant hatte, bald sesshaft zu werden, blieb er in Zürich bei seinem Bruder Conrad hängen und arbeitete dort zunächst in der Drogerie Fisler.

 1881 beschloss der nunmehr 26-Jährige, mit einem Spielwaren-Verkaufsgeschäft sein eigenes Unternehmen zu gründen. Um Verwechslungen vorzubeugen, verwandelte er den Buchstaben „K“ im Vornamen einfach in ein „C“ – Franz Carl Weber war geboren. Seinen Laden siedelte der Gründer in der Bahnhofstraße 48 an. Von zwei bereits in Zürich etablierten Spielwarengeschäften ließ sich Franz Karl Weber nicht entmutigen: Schließlich verstand er es, das neueste, beste und schönste Spielzeug direkt aus Nürnberg zu beziehen und bei sich zu verkaufen.

 Das Geschäft florierte und Franz Carl Weber zog neun Jahre später nur einige Häuser weiter: In der Bahnhofstraße 62 hatte das Stammhaus für mehr als hundert Jahre seinen Platz gefunden. Mit der aktuellen Adresse am Bahnhofplatz bleibt man also nicht nur der eigenen Unternehmenstradition, sondern auch der Zürcher Innenstadt treu. Nach Webers Tod im Jahr 1948 führten Sohn und Enkelsohn in zweiter und dritter Generation den großen Laden weiter.

Traditionell modern

Das Erfolgsrezept von Franz Carl Weber ist wohl seine kontinuierliche Präsenz: Als bleibende Größe erinnert das Unternehmen viele Kunden an ihre eigene Kindheit und sie möchten die positiven Erfahrungen weitergeben, die sie mit dem Geschäft verbinden. Selbst wenn sich das Sortiment im Lauf der Jahre gewandelt hat, findet man Neuheiten für den Verkauf immer noch in Nürnberg, und zwar auf der Spielwarenmesse. Franz Carl Weber steht für ein umfassendes, erlesenes Portfolio und hochwertige Produkte. Vieles kommt von Herstellern aus der Schweiz.

 „Wir sind bekannt dafür, dass wir auch traditionelle Spielzeuge verkaufen, im Bereich Plüsch und im Bereich Holz“, sagt Burger. Das Unternehmens-Logo zeigt bis heute ein Schaukelpferd: Dieses gehörte zu den ersten Produkten, die Franz Karl Weber einst verkaufte, und symbolisierte für seinen Bruder Conrad Erfolg und Glück. So ist das „Gampiross“ untrennbar mit der Firmen-Identität verknüpft. Allerdings entwickle sich die Technologie natürlich weiter, weiß Burger, und erzählt von elektronischen Hunden, die Kindern gehorchen und auch lernen können: „Robotisierung ist heute ganz klar im Trend und dem muss Franz Carl Weber folgen.“

Einmalig aktuell

Dabei möchten die Zürcher nicht ein Spektakel für ihre Kunden veranstalten, sondern setzen auf das einmalige Einkaufserlebnis. Am Bahnhofplatz werden Regale, Gondeln und Bildschirme für eine umfassende Präsentation der Spielwaren kombiniert; Schaufenster auf drei Seiten des denkmalgeschützten Gebäudes wollen attraktiv gestaltet sein. Der Geschäftsführer zeigt sich zufrieden mit der neuen Adresse: „Wir haben einen sehr zentralen Standort gefunden, der es erlaubt, uns jetzt wieder richtig zu entfalten.“

 Innen gibt die Strukturierung der Verkaufsfläche nach Themen genauso Orientierung wie die saisonale Aktualität des Sortiments. Kunden profitieren von einem Treueprogramm, Vorführungen und Informationen aus erster Hand: Welche Neuheiten verkauft werden, erfahren sie per Newsletter und immer mehr auch über Facebook und Instagram. Kinder schätzen Franz Carl Weber allerdings aus anderen Gründen, wie Burger weiß: „Wir haben als Riesen-Highlight hier eine Rutschbahn der Superlative.“ Weil die Erreichbarkeit noch dazu nicht besser sein könnte, finden kleine und große Kunden den Weg in den Laden – schließlich hat man einen eigenen Bahnhof und „das kann nicht jedes Geschäft von sich behaupten“!