Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von technisch notwendigen Cookies einverstanden. Die Website verwendet außerdem Tracking Cookies, um die Nutzung durch Besucher besser zu verstehen und eine bessere Bedienbarkeit zu erreichen. Diese können Sie hier deaktivieren. Mehr dazu in unserer  Datenschutzerklärung.

24.01.17

Interview mit Lingumi-Mitbegründer Toby Mather

Toby Mather erläutert u. a., wie ein Spielzeug beschaffen sein muss, um Kinder optimal zu fördern und verrät, was er mit Lingumi für die Zukunft plant.

lingumilingumiceoandfoundertobymather.jpg

Auf der Spielwarenmesse ist Lingumi-Gründer Toby Mather (23) im New Exhibitor Center (Halle 3A) anzutreffen.

 
primotoyscubetto-1480509768.jpg

Toby Mathers Empfehlung „Cubetto“ von Primo Toys ist ein Roboterset, das Kindern spielerisch Abläufe beim Programmieren beibringt.

 
Alle Bilder anzeigen

das spielzeug: Was macht für Sie ein gutes Kleinkind-Spielzeug aus?

Toby Mather: Gutes Kleinkind-Spielzeug macht den Kindern in erster Linie Spaß und geht auf ihre Bedürfnisse ein. Empfehlenswert ist es, wenn viele Sinne der Kinder involviert sind; diese also visuell und akustisch gefordert werden und dabei auch noch möglichst viel mit ihren eigenen Händen anfassen müssen und dürfen. Wichtig ist außerdem, dass der Nachwuchs ausgiebig selbst spielen und entdecken kann.

das spielzeug: Haben Sie auch ein Negativ-Beispiel?

Toby Mather: Kinder beispielsweise vor einem „selbstspielenden“ Spielzeug zu parken, macht diesen keinen Spaß und ist wenig förderlich für ihre Entwicklung. Aus meiner Sicht sind solche „selbstspielenden“ Spielwaren für Kleinkinder ungeeignet. Wenn es überall blinkt und piept, überfordert es den Nachwuchs, der gar nicht mehr weiß, wo er zuerst hinschauen soll. Kinder wollen und sollen die Welt um sich herum mit allen Sinnen entdecken und dabei auch lernen, dass sie selbst Sachen und Abläufe kontrollieren können. Deshalb haben wir bei Lingumi großen Wert darauf gelegt, dass die Kinder den Ablauf des Spiels mitbestimmen können. Außerdem involvieren wir durch die speziell entwickelten Lernwürfel auch die taktile Wahrnehmung der Kinder – sie müssen mit den Würfeln selbst spielen und nicht einen abstrakten Bildschirm bedienen.

das spielzeug: Wohin geht Ihrer Meinung nach der Trend im Bereich Kleinkind-Spielzeug?

Toby Mather: Der Trend im Bereich Kleinkind-Spielzeug geht weiter in Richtung Entwicklungsförderung. Aus unserer Sicht eine sehr positive Sache. Denn gerade die ersten Lebensjahre sind für die Entwicklung von Kleinkindern sehr wichtig; in dieser Zeit werden wichtige Verbindungen im Gehirn gelegt und gestärkt. Zudem laufen viele Prozesse ab, die zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr in der gleichen Form nachgeholt werden können – wie z. B. die Sprachentwicklung.

das spielzeug: Wie beurteilen Sie die drei ausgegebenen Trends der Spielwarenmesse „Body and Mind“, „Girl Power“ und Swap & Collect“?

Toby Mather: Besonders der „Body and Mind“-Trend hat es uns angetan. Kinder sind schließlich keine Maschinen, sondern kleine Persönlichkeiten, die durch das Spiel Koordination und wichtige motorische Fähigkeiten erst noch lernen müssen. Intelligentes Spielzeug kann sie dabei in ihrer Entwicklung fördern – und nicht zuletzt haben zahlreiche Studien in der Vergangenheit bereits nachgewiesen, dass Kinder sich besser konzentrieren können, wenn sie sich viel bewegen.

das spielzeug: Stichwort Spielwarenmesse – werden Sie selbst vor Ort sein?

Toby Mather: Ja, wir werden auch auf der Spielwarenmesse vor Ort sein und freuen uns schon darauf. Auf der Messe sind wir mit einem eigenen Stand im New Exhibitor Center vertreten und stellen dort Lingumi vor. Wir werden „Lingumi Play“ und noch weitere Neuentwicklungen der Lingumi-Methode präsentieren.

das spielzeug: Welches Spielzeug von heute hätten Sie schon gerne als Kind gehabt?

Toby Mather: Ich weiß nicht, ob es so etwas nicht vielleicht schon gibt, aber ich hätte mich als Kind über ein Spielzeug gefreut, mit dem ich mir Grundwissen über Schach hätte aneignen können. Ich hatte dies leider nicht und habe mir Schach später selbst beigebracht. Außerdem hätte ich gerne schon als Kleinkind erste Programmierkenntnisse erworben. Ich habe mir mit 14 oder 15 Jahren das Programmieren beigebracht, was dann natürlich sehr viel schwerer war, weil mir jegliche Grundkenntnisse fehlten. Deshalb hätte ich es klasse gefunden, mich mit einem Spiel wie „Cubetto“ von Primo Toys oder das „Box Island Game“ schon in jungen Jahren ausprobieren zu können.

 

das spielzeug: Was genau hat Sie bewogen, Lingumi Play zu entwickeln?

Toby Mather: Als ich in Russland Englisch unterrichtete, warteten die Eltern der Kinder vor dem Klassenzimmer und fragten mich nach jeder Stunde „Wie ist sein Englisch?“ oder „Was können wir machen, damit sie schneller Englisch lernt?“. Die sechs und sieben Jahre alten Kinder hatten zuvor noch nie Kontakt mit der englischen Sprache gehabt und jetzt wurde von ihnen erwartet, von einem Tag auf den anderen fließend Englisch zu sprechen. Diese Erfahrung hat mich nachdenklich gestimmt, denn die Kinder hatten die wichtigsten Jahre der Sprachentwicklung bereits hinter sich, und ich fragte mich, was getan werden kann, damit Eltern ihre Kinder in den neurologisch relevanten ersten Jahren besser fördern können. Zurück in Oxford habe ich mich dann in die Forschungsliteratur vertieft, nach bestehenden Hilfsmitteln Ausschau gehalten und dann kurzerhand entschlossen, ein eigenes Produkt zu entwickeln. Mit „Lingumi Play“ können auch Eltern, die selbst keine Fremdsprachenkenntnisse und keine Möglichkeit haben, ihre Kinder in fremdsprachige Kitas und Kindergärten zu geben, diese spielerisch bereits im Vorschulalter fördern.

 

das spielzeug: Wie geht es mit Ihrem Start-Up Lingumi weiter?

Toby Mather: „Lingumi Play“ wird mittlerweile in Hunderten von Familien in Deutschland, Österreich und der Schweiz gespielt und wir nähern uns der 1000er Grenze. In der Zwischenzeit arbeiten wir an der neuen Plattform „Lingumi Club“, die den Lingumi-Familien einen kompletten Lehrplan anbietet – angefangen vom Lernen der Buchstaben bis hin zu vertieften Englischkenntnissen. Wir planen, „Lingumi Club“ im Februar auf den Markt zu bringen. Bis dahin können Familien den Lehrplan mit „Lingumi Play“ beginnen.

 

das spielzeug: Eltern bevorzugen oft Spielzeug, das einen pädagogischen Wert hat. Dürfen Kinder heute nicht mehr einfach nur spielen?

Toby Mather: Natürlich dürfen und sollen Kinder auch heute „einfach nur spielen“. Zum einen schlicht und einfach deshalb, weil es ihnen Spaß macht, es Teil der Entwicklung ist und sie es genießen. Und zum anderen lernen Kinder durch „einfaches Spielen“ bereits enorm viel – angefangen von Motorik und Koordination über Sozialverhalten im Austausch mit anderen Kindern bis hin zu Kreativität. Eltern können ihren Nachwuchs in dieser wichtigen Phase ihrer Entwicklung durch ausgewähltes Spielzeug gezielt unterstützen – wichtig dabei aber ist, dass Eltern sich selbst und ihre Kinder nicht unter Druck setzen.