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01.08.14

Mit Tradition zum Erfolg

Nicht nur die Fachzeitschrift «das spielzeug» hat eine lange Tradition, sondern auch zahlreiche Händler. Wir stellen Ihnen drei Geschäfte vor, die sogar noch älter sind als wir und verraten deren Erfolgsgeheimnisse.

Eines der ältesten Spielwarenfachgeschäfte Deutschlands liegt in Lahr im Schwarzwald. Im Jahre 1837 eröffnete der damals 26-jährige Kammmacher Johann Friedrich Bucherer in der Marktstraße ein Handelsgeschäft: das spätere «W. Haupt-Bucherer». Aktuell wird der 130 m2 große Laden in der fünften Generation von Christa Metzger geführt. Seit über vier Jahrzehnten – sie begann 1969 als Lehrling – steht die Inhaberin in ihrem Laden und zeigt sich stets offen für neue Ideen. Bereits der Schriftzug über dem Eingangsbereich – «Lass sorgenlos die Kinder spielen, eh sie den Ernst des Lebens fühlen» – sagt sehr viel über die Philosophie der Geschäftsführerin aus. Die Liebe zu den Jüngsten ist es auch, die sie jedes Jahr im Juni zu einem großen Kinderfest veranlasst. Die gelernte Kauffrau im Einzelhandel, die ihre Erfahrungen auch im Vorstand der Lahrer Werbegemeinschaft mit einbringt, verstand es, nicht nur den Handel, sondern auch das schnelle Handeln zur Maxime im Geschäftsalltag zu machen. Für die zweifache Mutter gehören nach wie vor Tradition und Moderne zusammen. Zudem ist es ihrer Meinung nach überaus wichtig, der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein. Vieles, was in den Anfangsjahren begonnen wurde, wird auch aktuell noch gelebt und mit handwerklichem Geschick und Liebe zum Spielzeug gefertigt. Bis heute «verarztet» die Chefin in Tradition der «1. Lahrer Puppenklinik» alte Celluloid-, Porzellan- und Gipspuppen oder versieht lose Puppenköpfe und ausgeleierte Gliedmaßen mit neuem Gummieinzug. Noch viel mehr als für Puppen schlägt ihr Herz jedoch für (Modell)Eisenbahnen, den «Innbegriff von Spielzeug», wie Metzger betont. Anlässlich des 175-jährigen Jubiläums im Jahr 2012 holte sie das berühmte «Lahrer Bähnle» zurück und ließ eigens dafür einen Sonderzug in H0 anfertigen, den es exklusiv bei ihr zu kaufen gab. Gemeinsam mit ihren beiden langjährigen und engagierten Mitarbeiterinnen versucht sie jedoch in allen Sortimentsbereichen gezielt auf die Wünsche der Kunden einzugehen. Bei der Zusammenstellung des Portfolios ist ihr die Vedes, der sie seit Jahrzehnten angehört, eine große Hilfe.

«Der inhabergeführte Handel kann nur überleben, wenn die Innenstädte wieder lebendiger werden.»

177 Jahre, fünf Generationen – vieles hat sich gewandelt im Laufe der Jahrzehnte. Von der Porzellanpuppe und dem Holzpferd hin zur digitalen Eisenbahn und zum Babycomputer, vom klaren Produktkauf zum Einkaufserlebnis. «Haupt-Bucherer» hat es geschafft, sich den Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert anzupassen und zu bestehen. Aufgrund des massiven Wandels in der Verkaufs- und Kundenwelt wurde Metzger und ihr Team vor neue Herausforderungen gestellt. «Der inhabergeführte Handel kann nur überleben, wenn die Innenstädte wieder lebendiger werden», betont die engagierte Fachhändlerin und fügt hinzu: «Die Welt hat sich so verändert, dass auch der Einzelhandel sich verändern muss – oder untergehen wird.»

Tradition und Trends in Einklang

Nicht viel jünger ist das Fachgeschäft «Swars». 1895 gründete Johann Swars in Konstanz das «Kaufhaus Swars». Nur acht Jahre später eröffnete er zusammen mit seiner Frau Sofie in Radolfzell am Bodensee eine Filiale. Während sich das Sortiment vom anfänglichen Schwerpunkt auf Textilien, Kleidung, Kurzwaren und Geschirr zu Spielwaren verlagerte, hat sich bis heute am Leitbild nichts geändert, wie Inhaberin Sonja Uhl erläutert: «Uns ist es nach wie vor wichtig, jeden Einkauf für die Kunden zu einem Erlebnis voller Spielfreude und Spaß zu machen.» Nicht nur die Kinder, sondern die ganze Familie liegt der Geschäftsführerin und ihrem Team am Herzen. Daher befinden sich auch Artikel im Programm, die generationsübergreifend Spaß und Unterhaltung garantieren. Durch Aussagen von Konsumenten, wie «Bei ihnen fühlt man sich wie in einer Schatztruhe – in jeder Ecke eine andere schöne Überraschung», fühlt sich die Fachhändlerin in ihrer Arbeit bestätigt.

«Wir lassen unsere Mitarbeiter mehrmals im Jahr von Experten schulen.»

Wie Sonja Uhl, die den Laden seit 2006 in der vierten Generation leitet, betont, sei man stolz auf die lange Tradition des Unternehmens und die Erkenntnisse, die man in der Branche sammeln konnte. Allerdings wolle man nicht nur aus der Erfahrung schöpfen, sondern ist jederzeit darum bemüht, das Know-how zu vergrößern: «Daher lassen wir unsere Mitarbeiter mehrmals im Jahr von Experten der Hersteller in allen Fragen schulen – sowohl intern als auch extern.» Anregungen für ansprechende Schaufensterdekorationen, die die Neugier der Kunden wecken, hole man sich regelmäßig auf Fortbildungen.

Um neue Produkte und Trends aufzuspüren, besucht das «Swars»-Team regelmäßig Messen. Somit lernt es, die entsprechende Ware zu erklären und zu zeigen. «Wenn ein Kunde unser Geschäft verlässt und denkt ‘Genau das habe ich mir vorgestellt und gewünscht‘, sind wir zufrieden und haben alles richtig gemacht», betont die Inhaberin. Eine Hilfe bei der Sortimentszusammenstellung ist auch der Hildesheimer Verband Idee+Spiel. Bis heute zeichnet sich das Fachgeschäft durch seine unverwechselbare Individualität, bedingt durch das Vereinen von Tradition und aktuellen Trends, aus. Kompetente Beratung, ein qualitativ hochwertiges Vollsortiment und diverse Serviceleistungen, wie Reparaturmaßnahmen oder ein Geschenke-Finder, sind maßgeblich am Erfolg beteiligt. Auf einen Online-Shop verzichtet man, wie die engagierte Fachhändlerin energisch betont, ganz bewusst: «Dieser komparative Leistungsvorsprung, der uns gegenüber der Konkurrenz auszeichnet, würde durch E-Commerce verwässert. Nur im persönlichen Kontakt mit unseren Kunden kommen unsere Stärken voll zum Tragen.»

Mit Persönlichkeit punkten

Auf über 130 Jahre Erfolgsgeschichte blickt das 1881 im Zentrum von Neuruppin eröffnete Spielwarenfachgeschäft «Carl Schmutzler» zurück. Seit 1985 wird es von Christine Peckermann, der Urenkelin des Gründers, in der vierten Generation geführt. Angefangen hat dieser mit Tapeten, Linoleum und Schreibwaren. Später kam ein eigener Ansichtskartenverlag hinzu. Erst als man sich 1924 der Vedes anschloss, war die Ausrichtung auf das Sortiment Spielwaren festgelegt. Wie schwer es war, zu DDR-Zeiten privat eine Firma zu betreiben, musste «Carl Schmutzler» am eigenen Leib spüren. Nur durch das Abschließen eines Kommissionshandelsvertrags mit der Volkseigenen Handelsorganisation der DDR konnte die Schließung des Geschäfts verhindert werden.

Durch mehrere Um- und Ausbauten konnte die Verkaufsfläche von anfänglichen 35 auf heute 220 m2 erweitert werden. Auch das Portfolio befindet sich ständig in Veränderung, um den aktuellen Trends und Wünschen der Kunden gerecht zu werden. «Unser Sortiment ist das klassische Spielwarenprogramm eines Fachgeschäftes – vom ersten Greiflingüber Ware von Bruder, Lego, Playmobil, Ravensburger, Zapf und vielen weiteren namhaften Herstellern bis hin zu Videospielen», erläutert Peckermann. Neben zahlreichen Spielen und Puzzles haben sie und ihre vier Mitarbeiter auch diverse Geschenkartikel, z.B. vom Coppenrath Verlag oder Sigikid, im Angebot. «Kinder brauchen gutes Spielzeug, das sie fordert und in ihrer Entwicklung fördert. Wir als Fachhandel sehen unsere Aufgabe darin, diese Produkte unseren Kunden in einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten», betont die Geschäftsfrau.

Dieser Aspekt sei auch ein Teil des Erfolgsgeheimnisses. Geschätzt werden, neben den Artikeln für jeden Geldbeutel, in erster Linie der persönliche Kundenkontakt, die kompetente Beratung sowie spezielle Serviceleistungen, wie die Geburtstagsbox. «Das Aushängeschild des Geschäfts ist jedoch stets unser Schaufenster, das regelmäßig entsprechend der Saison oder mit Neuheiten liebevoll gestaltet wird», erläutert Christine Peckermann stolz und ergänzt: «Unser Hauptziel ist es, Jungen und Mädchen jeden Alters glücklich zu machen. Sicher ist dabei nicht jedes Spielzeug pädagogisch wertvoll, aber manchmal muss Spielen einfach nur Spaß machen – den Kindern, aber uns auch.»