16.06.26 – Interview mit Christian Laporte, CEO von Papo

„Unsere Figuren sind Spielzeug und Sammlerobjekt zugleich“

Nach mehr als zwei Jahrzehnten im deutschen Markt startet Figurenhersteller Papo einen eigenen Webshop. Im Interview spricht CEO Christian Laporte über die strategischen Ziele hinter dem Schritt, die Rolle des Fachhandels und warum hochwertige Spielfiguren auch in einem preisgetriebenen Markt ihren Platz behaupten. Zudem erklärt er, weshalb Papo weiterhin auf das Zusammenspiel von stationärem Handel und E-Commerce setzt – und welche Trends den Figurenmarkt aktuell prägen.

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Christian Laporte, CEO von Papo. © Papo

 

das spielzeug: Was hat den Ausschlag für den eigenen Webshop hierzulande gegeben und welche strategischen Ziele verfolgen Sie damit?

Christian Laporte: Alle Rückmeldungen, die wir erhalten, zeigen uns, dass die Papo-Figuren bei den Verbrauchern sehr gefragt sind und Neuheiten mit großer Vorfreude erwartet werden. Wir wissen, dass Kunden im stationären Handel nicht immer alle Figuren und Themenwelten aus unserem Sortiment finden. Deshalb haben wir uns entschieden, allen Interessierten den Zugang zur kompletten Papo-Welt zu ermöglichen. Die strategischen Ziele sind vielfältig: Zum einen möchten wir Verbrauchern Zugang zur gesamten Produktpalette bieten und die Marke noch bekannter machen. Zum anderen ermöglicht uns der Webshop einen direkteren Austausch mit den Konsumenten und den Aufbau einer identifizierbaren Community. Das stärkt die Bekanntheit und das Markenimage von Papo und trägt gleichzeitig zur Kundenbindung bei – sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich.

das spielzeug: Viele Hersteller bauen aktuell direkte Kundenzugänge auf. Ist Ihr Webshop eher eine Ergänzung zum Fachhandel oder verändert sich dadurch Ihr Geschäftsmodell grundlegend – auch im Hinblick auf Preis- und Sortimentsstrategie?

Christian Laporte: Der B2C-Webshop von Papo ist klar als Ergänzung zum bestehenden Handel zu verstehen. Er verfolgt nicht das Ziel, mit einer aggressiven Preispolitik aufzutreten – wir möchten uns weiterhin am marktüblichen Preisniveau orientieren. Was die Sortimentsstrategie betrifft, ist auf dem Webshop das vollständige Sortiment verfügbar – genauso wie für unsere Handelspartner. Mit wenigen Ausnahmen wird es keine speziell für den B2C-Shop entwickelten Produkte geben.

das spielzeug: Welche Rolle spielt Deutschland für Papo im internationalen Vergleich – und wie planen Sie, den stationären Handel künftig einzubinden?

Christian Laporte: Wir verfügen bereits über eine Vertriebsorganisation in Deutschland, die sich gezielt an Wiederverkäufer richtet – darunter Spielwaren- und Geschenkartikelgeschäfte, Tierparks und touristische Einrichtungen. Unser Ziel ist es, dieses Netzwerk weiter auszubauen. Der B2C-Webshop trägt gleichzeitig dazu bei, Papo die Sichtbarkeit zu geben, die die Marke verdient. Der deutsche Markt ist für Papo ein bedeutender Markt und wir erhalten von unseren Handelspartnern sehr positives Feedback. Gleichzeitig ist Deutschland ein besonders anspruchsvoller Markt, in dem Verbraucher großen Wert auf Qualität, Realismus und die Vielfalt der Themenwelten legen. Das sind Anforderungen, die perfekt zur Positionierung von Papo passen. Wir sind überzeugt, dass der Papo-Webshop die Markenbekanntheit zusätzlich stärken wird.

das spielzeug: Wo sehen Sie die größten Vorteile des eigenen Webshops – und wo stößt der Direktvertrieb an seine Grenzen?

Christian Laporte: Der Direktvertrieb bietet vor allem die Möglichkeit, das Markenerlebnis stärker selbst zu gestalten. Über den eigenen Webshop können wir unser gesamtes Sortiment präsentieren, unsere Themenwelten besser inszenieren und eine direktere Beziehung zu unseren Kunden aufbauen. Gleichzeitig sehen wir den digitalen Vertrieb nicht als Ersatz für den stationären Handel. Figuren sind sehr visuelle und emotionale Produkte: Die wahrgenommene Qualität, der Detailgrad und die Verarbeitung entfalten ihre volle Wirkung oft erst dann, wenn man die Produkte im Geschäft sehen und in die Hand nehmen kann.

Auch die persönliche Beratung spielt weiterhin eine zentrale Rolle. Fachgeschäfte bieten eine menschliche Komponente und eine Qualität der Begleitung, die für das Kundenerlebnis nach wie vor sehr wichtig sind. Wir glauben daher an ein Zusammenspiel von E-Commerce und stationärem Handel, bei dem jeder Vertriebskanal einen eigenen Mehrwert für die Verbraucher bietet und zur Gesamtentwicklung der Marke beiträgt.

das spielzeug: Papo steht für besonders detailreiche und hochwertige Figuren: Wie definieren Sie Qualität in einem preisgetriebenen Markt und was unterscheidet Ihre Produkte konkret vom Wettbewerb?

Christian Laporte: Qualität zeigt sich auf verschiedenen Ebenen. Unsere Figuren sollen sowohl präzise als auch realistisch sein – insbesondere im Bereich der Tierfiguren. Unser Anspruch ist es, im Vergleich zu vielen Produkten am Markt einen zusätzlichen Spielwert zu schaffen. Dafür braucht es nicht nur eine hochwertige Gestaltung und Modellierung, sondern auch eine Fertigung auf entsprechend hohem Niveau, damit das ursprüngliche Modell möglichst originalgetreu umgesetzt wird. Deshalb legen wir größten Wert auf die Herstellung unserer Figuren und auf eine konsequente Qualitätskontrolle. Auch die Auswahl unserer Vertriebspartner ist für uns wichtig. Hochwertige Produkte sollten auch in einem passenden Umfeld präsentiert werden, sowohl durch die Produktinszenierung als auch durch die Wertigkeit des Gesamtkonzepts am PoS. Deshalb bleiben wir zwar preislich wettbewerbsfähig, vertreiben Papo-Produkte jedoch nicht über Verkaufsstellen, deren Hauptausrichtung im Discount-Bereich liegt. Unser Ziel ist eine qualitativ hochwertige Distribution.

das spielzeug: Sie bewegen sich zwischen Spielzeug und Sammelobjekt: Für wen entwickeln Sie Ihre Figuren heute primär – und welche Trends prägen aktuell den Spielfigurenmarkt?

Christian Laporte: Wir bewegen uns nicht nur zwischen Spielzeug und Sammlerobjekt. Unsere Figuren sind beides zugleich. Sie richten sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene und Sammlerinnen und Sammler aller Altersgruppen. Gleichzeitig wissen wir, dass Kinder weiterhin unsere wichtigste Zielgruppe darstellen. Ein Spielzeug kann gleichzeitig hochwertig, detailgetreu, kreativ und fantasieanregend sein – und damit weit über seine reine Spielfunktion hinausgehen.

Mit unseren klassischen Tierwelten verfügen wir über ein zeitloses Sortiment. Durch die große Vielfalt unserer Produktfamilien – aktuell umfasst unser Angebot mehr als 700 Figuren – decken wir ein breites Spektrum an Bedürfnissen im Figurenmarkt ab. Dennoch beobachten wir regelmäßig neue Trends, die sich je nach Zeitpunkt und Zielgruppe verändern können. Aktuell sehen wir eine besonders starke Nachfrage im Fantasy-Bereich. Diese Themenwelt bietet viel kreatives Potenzial und spricht – wie bereits erwähnt – ein sehr breites Publikum an: Kinder, Erwachsene im sogenannten „Kidult“-Trend sowie Sammlerinnen und Sammler.