08.07.26 – Interview „Spielzeug für Alle!“
„Spielzeug muss nicht neu sein, um geliebt zu werden“
Der gemeinnützige Verein „Spielzeug für Alle!“ in Trostberg sammelt gebrauchtes Spielzeug und gibt es an bedürftige Familien sowie soziale Einrichtungen in der Region weiter. Veronika Schultz ist Teil des Vereins und erzählt uns im Interview, wie er entstanden ist, wie er sich organisiert und welchen Herausforderungen er sich stellt.
das spielzeug: Wie entstand die Idee für den Verein „Spielzeug für Alle“ und was waren bisher die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?
Veronika Schultz: Bei einem Spielzeugbasar, den wir Anfang letzten Jahres organisierten, kamen viele Leute auf uns zu, die ihr Spielzeug nicht selbst verkaufen, sondern spenden wollten. Da kam uns die Idee, dass es eine Anlaufstelle geben müsste für gebrauchtes Spielzeug. Also gründeten wir unseren Verein „Spielzeug für Alle“ mit der Idee, ungenutztes, gut erhaltenes Spielzeug zu sammeln und bedarfsgerecht an soziale Einrichtungen und bedürftige Familien in unserer Region weiterzugeben. Die größten Herausforderungen bei unserer Arbeit sind die Kontrolle und Aufbereitung des gespendeten Spielzeugs (Spiele und Puzzle auf Vollständigkeit kontrollieren, Stofftiere waschen, Batterien tauschen etc.). Diese Arbeit nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Außerdem müssen wir leider auch viel Spielzeug entsorgen, weil Leute uns altes und kaputtes Spielzeug geben, das nicht mehr bespielbar ist. Das Müllmanagement nimmt nicht nur viel Zeit und Platz in Anspruch, sondern ist auch ein Kostenfaktor, der uns Sorgen bereitet.
das spielzeug: Wie organisiert der Verein die Sammlung und Verteilung der Spielsachen und welche Rolle spielen die Kooperationen mit Unternehmen und Entrümpelungsfirmen dabei?
Veronika Schultz: Spielzeug kann bei uns jederzeit abgegeben werden. Wir sichten es, kontrollieren es und sortieren es in unser nach Kategorien unterteiltes Lager ein, sodass es bereit ist für die Weitervermittlung. Viele soziale Einrichtungen werden über unsere Website auf uns aufmerksam und fragen an, ob sie Spielzeug bekommen können. Wenn unser Lager gut gefüllt ist, gehen wir auch aktiv auf soziale Einrichtungenzu. Regelmäßig versorgen wir die Kleiderkammer der Caritas in unserer Stadt mit Spielzeug, sodass auch Familien ohne finanzielle Mittel Zugang zu schönem Spielzeug haben. Wir arbeiten auch mit einer Entrümpelungsfirma zusammen, die alles gefundene Spielzeug für uns sammelt. Besonders wertvoll ist für uns die Zusammenarbeit mit Firmen, die uns B-Ware, Rückläufer oder überschüssige Artikel spenden. Im Sinne der Nachhaltigkeit wird auf diesem Weg kein Spielzeug weggeworfen, sondern – soweit noch möglich – sinnvoll weitervermittelt. Leider sind bisher nur wenige Firmen zu Kooperationen dieser Art bereit.
das spielzeug: Wie trägt der Verein zur Förderung von Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit bei und gibt es konkrete Kennzahlen, die diesen Erfolg messbar machen?
Veronika Schultz: Mit unserer Anlaufstelle für Spielzeug bringen wir ungenutzte Spielsachen, die in Kellern und Speichern lagern und evtl. irgendwann entsorgt werden, wieder zurück in den Kreislauf. Gleichzeitig wird weniger neues Spielzeug gekauft und – langfristig – produziert. Einmal im Jahr organisieren wir auch einen großen Spielzeugbasar. So erhalten alle Familien unserer Region Zugang zu günstigem Spielzeug. Der gesamte Erlös des Basars wird wiederum gespendet an soziale Einrichtungen in unserer Region (z. B. an die Tafel). Im vergangenen Jahr waren das 2300 Euro.
das spielzeug: Wie können Privatpersonen, Unternehmen oder soziale Einrichtungen den Verein unterstützen? Gibt es besondere Anforderungen oder Ansätze für neue Kooperationen?
Veronika Schultz: Privatpersonen können uns jederzeit gut erhaltenes Spielzeug spenden. Unternehmen führen manchmal bei ihren Mitarbeitenden „Spielzeug-Sammel-Aktionen“ durch, diese erfreuen sich großer Beliebtheit und es kommt immer sehr viel Spielzeug zusammen. Wir berichten auf unseren Social-Media-Kanälen über die Zusammenarbeit mit Unternehmen und zeigen so ihr Engagement für Nachhaltigkeit.Wir würden uns sehr über noch mehr Kooperationen mit Spielzeugherstellern freuen, um B-Ware, Retouren, Restposten und Rückläufern ein zweites Leben zu ermöglichen und Kindern aller sozialer Schichten den Zugang zu hochwertigem Spielzeug zu ermöglichen.
das spielzeug: Gibt es eine besonders schöne oder eindrucksvolle Geschichte aus der Arbeit des Vereins, die zeigt, welchen Unterschied ihr macht?
Veronika Schultz: Die Mutter einer erwachsenen, schwer behinderten Tochter wandte sich mit einer vorsichtigen Anfrage an uns: Ob wir vielleicht elektronisches Babyspielzeug hätten. Ihre Tochter kann nicht sprechen. Spielzeuge mit Musik und Lichtern gehören zu den wenigen Dingen, mit denen sie sich selbst beschäftigen kann – und die ihr sichtbar Freude bereiten. Gleichzeitig sind genau diese Spielzeuge oft teuer und gehen im Alltag schnell kaputt. Seitdem stellen wir ihr regelmäßig eine Kiste mit gespendetem Sound-Spielzeug zusammen. Jedes Mal zeigt sich, warum diese Unterstützung so wichtig ist: Die Augen der Tochter beginnen zu leuchten, sobald unsere Kiste ankommt.




