25.08.26 – BDKH-Trendbericht
Wo geht es hin im Baby- und Kleinkindmarkt?
Sinkende Geburtenzahlen, angespannte Haushaltsbudgets und neue digitale Einkaufshelfer setzen die Kinderausstattungsbranche unter Druck. Gleichzeitig entstehen Lösungen, die Familien im Alltag mehr Sicherheit, Flexibilität und Orientierung bieten. Der BDKH zeigt, welche Entwicklungen den Markt prägen.
Die Rahmenbedingungen für die Kinderausstattungsbranche bleiben herausfordernd. In Deutschland wurden 2025 rund 654.300 Kinder geboren – so wenige wie seit 1946 nicht mehr. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von 3,4 %. Auch 2026 setzt sich die Entwicklung bislang fort. Parallel achten Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts gestiegener Preise stärker auf den Preis und vergleichen intensiver. Längere Lieferzeiten werden dabei akzeptiert, wenn das Angebot als preiswürdig wahrgenommen wird.
Zwischen Amazon und Ultra-Discount
Der Onlinehandel wird zunehmend von zwei Polen geprägt: Amazon baut seine Position über Reichweite, Sortimentstiefe, Infrastruktur und Convenience weiter aus. Plattformen wie Temu und Shein greifen den Markt hingegen mit extrem niedrigen Preisen und Impulskäufen an. Für viele Händler entsteht dadurch eine schwierige Mitte. Rabattaktionen allein reichen jedoch nicht aus, um langfristig zu bestehen. Gefragt sind Sortimente, die Vertrauen, Service, Beratung und nachvollziehbare Produktvorteile miteinander verbinden.
Wenn KI das Produkt auswählt
Eine neue Dynamik bringt der sogenannte Agentic Commerce. „Dabei werden KI-Systeme nicht nur als Chatbots oder Empfehlungstools eingesetzt, sie agieren bereits als aktive Einkaufsassistenten. Haben die Eltern bislang mithilfe eines Suchbegriffs nach passenden Baby- und Kleinkindprodukten recherchiert, werden sie künftig eher ein Bedürfnis formulieren, für das sie eine Lösung brauchen“ erklärt Michael Neumann, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller (BDKH).
Für Marken und Händler bedeutet das: Produktdaten müssen vollständig, aktuell, strukturiert und eindeutig sein. Informationen zu Altersgruppe, Sicherheitsnormen, Materialien, Zertifikaten, Maßen, Gewicht, Ersatzteilen, Verfügbarkeit und Bewertungen werden zur Voraussetzung für digitale Auffindbarkeit. Wer diese Daten nicht liefert, riskiert, in KI-gestützten Auswahlprozessen nicht berücksichtigt zu werden.
Kommunikation als Wettbewerbsfaktor
Nicht nur die Customer Journey der Eltern verändert sich. Auch die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen gerät unter Druck. Überfüllte E-Mail-Postfächer, fehlende Rückmeldungen und verzögerte Freigaben bremsen Projekte aus. Isabel Dehmer, CEO des Online-Marketing-Unternehmens Quatestio, berichtet: „Teilweise sind wir in Projektumsetzung, es gibt eine enge Timeline und wir sind auf die Freigaben oder Materialien der Kunden angewiesen, der Ansprechpartner meldet sich jedoch nicht und wir haben keine Chance dem Kunden unter die Arme zu greifen und zu unterstützen.“ Gerade bei erklärungsbedürftigen Produkten und saisonalen Messegeschäften werden Verlässlichkeit, Erreichbarkeit und Beratungstiefe damit zu wichtigen Erfolgsfaktoren. „Wir hatten gehofft, dass sich die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026 wieder erholt und Fahrt aufnehmen kann.“ Stattdessen prägen weitere Budgetkürzungen und ungünstige weltpolitische Entwicklungen die Lage, so die Einschätzung des BDKH.
Kompakte Lösungen für mobile Familien
Bei der Produktentwicklung rückt die Alltagstauglichkeit in den Mittelpunkt. Oliver Mecky, CEO der Allison GmbH, sagt: „Die Städte werden dichter, die Autos kleiner, die Reisen flexibler, und der Alltag verlangt spontane Entscheidungen. Deshalb arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Kinderwagen, Buggys und Autokindersitze kompakter und leichter zu designen, ohne Kompromisse bei Sicherheit oder Komfort einzugehen. So bleiben Eltern – vor allem solche, die sich innerhalb urbaner Strukturen bewegen oder sich ein Auto teilen – spontan und flexibel. Am Ende geht es für uns immer um dieselbe Frage: Wie können wir Produkte entwickeln, die sich an das Leben unserer Kunden anpassen?“
Smart, langlebig und mitwachsend
Auch digitale Funktionen gewinnen an Bedeutung. Smarte Babyphones verbinden Bildübertragung mit Schlaf- und Atemmonitoring, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitskontrolle sowie der Analyse von Babylauten. Solche Lösungen sollen Routinen vereinfachen und Eltern im Alltag entlasten. Daneben wächst das Interesse an langlebigen, multifunktionalen und entwicklungsfördernden Produkten. Auch bei der Säuglingspflege suchen Familien nach natürlichen und bindungsorientierten Lösungen.
Orientierung bleibt entscheidend
Die Branche wird smarter, kompakter, nachhaltiger und datengetriebener. Zugleich steigt der Bedarf an verständlicher Beratung. Erfolgreich dürften nach BDKH-Einschätzungen jene Anbieter sein, die Preiswürdigkeit überzeugend erklären und Sicherheit, Langlebigkeit, Komfort oder Nachhaltigkeit konkret belegen können. Sie müssen sowohl im Fachhandel als auch online, in sozialen Netzwerken und in den Datensystemen digitaler Einkaufsassistenten präsent sein. Die zentrale Aufgabe lautet damit, Orientierung zu geben. Produktqualität, Beratung, belastbare Daten und emotionale Nähe müssen zusammenwirken. Wer diese Dimensionen verbindet, kann auch in einem schrumpfenden und wettbewerbsintensiven Markt relevante Lösungen entwickeln und Vertrauen schaffen.




