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14.03.18 – Handel trifft auf Industrie

BVS-Branchendialog 2018

Am 12. und 13. März hat der BVS traditionell ins Lindner Hotel City Plaza nach Köln zu seinem Branchendialog geladen, der in diesem Jahr unter dem Motto „Menschen – Marken – Medien“ stattfand.

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Diskutierten, wie der Handel tickt (v. li.): Jochen Pohle, Willy Fischel, Paul Weber und Andreas Schäfer. © BVS

 
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Die Fachhändler Christian Bökenkamp, Jessica Schumacher und Christian Krömer berichteten von ihren Social Media-Erfahrungen. © Meisenbach

 
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Nach einer kurzen Begrüßung von BVS-Geschäftsführer Willy Fischel ging es für die rund 100 Vertreter aus dem Handel und der Industrie gleich in medias res. Als Erstes referierte Paul Weber, Vedes-Bereichsleiter Vertrieb, unter welchem Druck der Händler aktuell steht und welche Faktoren ihn erfolgreich machen. Neben einem Geschäftsmodell, das es konsequent durchzuziehen gilt, trage auch die Zugehörigkeit zu einer Verbundgruppe zum Erfolg bei: „Die Aufgabe einer Verbundgruppe muss es sein, dem Händler all das zur Verfügung zu stellen, was er benötigt. So kann er sich ganz auf seine Kernkompetenz fokussieren“, so Weber.

Im Anschluss fasste Idee+Spiel-Geschäftsführer Andreas Schäfer zusammen, wer alles zum Handel gehört, bevor er auf die Distributionsstrategien der einzelnen Spielwaren-Lieferanten einging. Schließlich hegte er Zweifel, ob die Leistung des (Fach-)Handels angemessen honoriert werde. Zudem kritisierte er, dass Risikoteilung für manche Lieferanten ein Fremdwort sei. „Das Geschäft wird vor Ort von Menschen gemacht!“, resümiert Schäfer. Daher sei es unverzichtbar, dass Hersteller attraktive Angebote machen, bei denen der Fachhandel am Markt mithalten könne, wodurch auch dessen Umsetzung honoriert wird. Die Händler wiederum setzen die Vereinbarungen mit den Herstellern vor Ort um und akzeptieren die ein oder andere „Kröte“. Ganz wichtig zudem sei es laut Schäfer, dass das Risiko bei Flops geteilt werde. Nur so entstehe eine Partnerschaft, von der beide – Industrie und Handel – gut leben können.

„Ergebnis braucht Erlebnis“ betonte EK/servicegroup-Geschäftsführer family Jochen Pohle zu Beginn seines Vortrags, in dem er anschaulich aufzeigte, wie man offline und digital Erlebnisse schafft und wie diese bestmöglich verknüpft werden. „Wir müssen da sein, wo der Kunde ist. Daher ist es unverzichtbar zu wissen, wo der Konsument zu jeder Zeit ist. Hier gilt es dann, ihn abzuholen“, so Pohle.

Wertschöpfung dank Wertschätzung

Wie wichtig die Mitarbeiter für ein Unternehmen sind, verdeutlichte Manon Motulsky vom Steiff Shop Wiesbaden. Da Innenstädte immer mehr verwaisen, läge es an den Mitarbeitern, den weniger werdenden Besuchern im Geschäft mehr zu verkaufen. „Wir müssen den Fokus verstärkt auf unseren Mitarbeiter legen. Dieser ist das Goldstück, das den Handel von den Amazons dieser Welt unterscheidet." Zusammen mit Silke Krause von SKillCare - integrale Persönlichkeits- und Organisationsentwicklerin, ist es ihr gelungen, ihre Mitarbeiter optimal zu motivieren, was nachweislich zu mehr Umsatz geführt hat.

Qualität bei Artikeldaten gefragter denn je

Während am Montag der Handel im Fokus stand, rückte am zweiten Veranstaltungstag die Industrie in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „Ohne Prozesse kein Profit“ brachten Bianca Reindl und Ulrich Scharf von der NTG (Network Toys Germany) die Teilnehmer hinsichtlich ihres Artikelstammdaten-Systems auf den aktuellen Stand. Interessierte haben die Gelegenheit, an eintägigen Schulungsangeboten, die in Zusammenarbeit mit der GS1 unter der Schirmherrschaft des BVS und des DVSI stattfinden, teilzunehmen. Neben NTG-spezifischen Inhalten soll dabei ein allgemeines Grundverständnis für Artikeldaten und die zugehörigen Prozesse vermittelt werden. Wie die Zusammenarbeit mit der NTG läuft, erläuterte Clementoni-Geschäftsführer Ulrich Hirsch: „Wir sind Teilnehmer der ersten Stunde und wir sind einen ganzen Schritt weiter gekommen. Die NTG ist auf einem guten Weg.“

Wie viel Social Marketing ist nötig?

Zum Thema „Was geht? Social Marketing auf dem Prüfstand" standen drei engagierte Fachhändler Steffen Kahnt, stellvertretender BVS-Geschäftsführer, Rede und Antwort: Christian Bökenkamp („Fachgeschäft Bökenkamp“, Bielefeld), Jessica Schumacher („Toys World“, Gütersloh) und Christian Krömer („Spielwaren Krömer“, Schrobenhausen). Bei Bökenkamp, der möglichst überall präsent sein will, sind die Beiträge auf den Social Media-Plattformen noch Chefsache. Auch Fachhändler Christian Krömer ist der Meinung, dass man sich mit dem Thema beschäftigen muss. Ohne Multichannel gehe es einfach nicht mehr. Dabei sei der Online-Shop nicht primär zum Geldverdienen da, sondern diene vielmehr der Kundenbindung. Seit bereits 16 Jahren online aktiv ist Jessica Schumacher: „Unser Webshop wird daher gerade generalsaniert. Insgesamt sind in unseren fünf Häusern drei Mitarbeiter für Social Media zuständig.“

Wie tickt die Industrie?

Wie haben sich die Spielwarenindustrie und der Spielwareneinzelhandel von 2005 bis 2016 entwickelt? Die Antworten darauf lieferte Martin Böckling von ProConTrade Boeckling. Dabei stellte er klar, dass der Wettbewerbsdruck auch für die Unternehmen steigt. Das liegt u. a. daran, dass sich Prozesse verändern und neue Datenschutz- und Spielwarenrichtlinien in Kraft treten. Sein Lösungsvorschlag: Statt „gegenläufiger Vertikalisierung“ besser: Kollaboration.

Im Anschluss stellten sich Klaus Galinski (Sieper-CEO), Markus Großweischede (Hasbro-General Manager DACH), Frank Kullmann (Revell-Sales Director GAS) den Fragen von Böckling. Großweischede beispielsweise stellte klar, dass Lizenzen auch künftig von hoher Bedeutung sein werden, da sie Geschichten erzählen, die bei den Kids hängenbleiben. Kullmann betonte, dass Revell bei seinen Produkten nach wie vor auf technische Features setze. Galinski befürwortete die Stärkung der Marke.

Der BVS-Vorsitzende Wieland Sulzer brachte es mit seinem traditionellen Schlusswort schließlich auf den Punkt: „Der Konsument ist meine Lebensversicherung.“ Zudem dürfe man in der heutigen Zeit nicht mehr auf soziale Netzwerke verzichten. Ebenfalls wichtig: die Mitarbeiter schätzen.

Der nächste BVS-Branchendialog findet am 18. und 19. März 2019 statt.