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11.02.15 – Fachgeschäft des Monats Februar 2015

Frechdachs - Wo Wünsche wahr werden

In einem historischen Hinterhof in Essen-Kettwig liegt die alte Backsteinindustriehalle, in der Sandra Baeck zusammen mit ihrem Mann Andreas seit 2005 das Fachgeschäft „Frechdachs – Toys Trading“ betreibt. Sobald man durch dessen Tor schreitet, wünscht man sich wieder Kind zu sein, das auf Entdeckungstour gehen darf – das Gebäude liefert dazu die passende Atmosphäre.

Ab-Team

Die Geschäftsführer Andreas und Sandra Baeck (links außen) und ihr Team stehen dem Kunden mit Rat und Tat zur Seite.

 
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„das spielzeug“-Redakteurin Kerstin Barthel (links) und „Frechdachs“-Geschäftsführerin Sandra Baeck vor der besonderen Immobilie.

 
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Bereits beim Eintritt in die Immobilie, vor deren Eingangstür ein Walking-Charakter sowie ein Pustefix-Teddy prominent platziert sind und zum Hereinspazieren einladen, fällt sofort ins Auge, dass der „Frechdachs“ nach Themen eingeteilt ist, nicht nach Lieferanten. „Ich arbeite dabei viel mit Emotionen und Bildern. Mein Anliegen ist es, dass die Kunden zu ihren Lieblingsthemen alles an einem Ort vorfinden“, erklärt die engagierte Geschäftsführerin.

So ist z.B. eine Ecke der 170 m2 großen Verkaufsfläche liebevoll zum Topic „Prinzessin“ dekoriert – stilgerecht komplett in Rosa. Hier findet man von Haarspangen über Taschen, Schmuck bis hin zum Zauberstab alles, was kleinen Hoheiten gefällt. Jungen hingegen kommen währenddessen in der „Piraten“- und „Ritter“-Welt gleichermaßen auf ihre Kosten. Ebenfalls reichlich bestückt ist das thematische Feld rund um den Kindergeburtstag, wo es sämtliche Utensilien wie Luftballons und Girlanden zu entdecken gibt.

„In der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, über den Tellerrand zu schauen.“

Wie Sandra Baeck betont, könne man sich in Zeiten der Globalisierung und ständiger Markenaufkäufe nur durch individuelle Konzepte von der Masse abheben. Zu saisonalen Höhepunkten wie Schulanfang, Halloween oder Weihnachten dekoriert die Inhaberin daher die Themeninseln sowie den ganzen Laden samt Innenhof aufwändig neu um.

Anregungen zu aktuellen Trends holt sie sich u.a. auf Veranstaltungen und Messen wie der Kind + Jugend, der Tendence oder der Spielwarenmesse: „Ich fahre gerne und häufig auf Events, die nicht immer branchenbezogen sind. Dort findet man Nischenprodukte und viele Ideen. „In der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, über den Tellerrand zu schauen“, so die Unternehmerin.

Mit Vielfalt punkten

Bei der Zusammenstellung des Portfolios geht die gelernte Bauzeichnerin, die bereits zu Schulzeiten im Einzelhandel gearbeitet hat, stets zielgruppenorientiert für den Kunden und spannenorientiert für ihre Firma vor. Zusammen mit ihrem Team, das aktuell aus drei Teilzeitkräften besteht, bietet die Fachhändlerin ein klassisches Kernsortiment, kombiniert mit ausgefallenen Artikeln, an. Es ist für fast jede Altersstufe etwas dabei – für Jungen und Mädchen gleichermaßen. „Bei uns findet der Kunde ausgesuchte Spielwaren ausschließlich von Markenherstellern“, erklärt die Chefin und fügt hinzu: „Nur auf diese Weise kann man sich heutzutage vom Wettbewerb abheben und sich in Markennischen behaupten.“

Wie Baeck weiter betont, sei der „Frechdachs“ generell durchgehend stark bei Trendartikeln, absoluter Renner waren zuletzt, neben den „Loombändern“, die „Longboards“ gewesen. Ebenfalls im Portfolio sind Lizenzprodukte, hier jedoch überwiegend die klassischen Themen, u.a. von Coppenrath. „Frechdachs“-Kunden kaufen ihrer Erfahrung nach zwar mal eine Lizenz-Figur, jedoch nicht sofort eine komplette Kinderzimmereinrichtung zu diesem Thema.

Eine gute Auswahl bietet das Fachgeschäft, das gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, auch im Outdoor-Bereich – von der Kreide über Schwimmflügel und Sandeimer bis hin zum Dartspiel bleiben keine Wünsche unerfüllt. Einen hohen Stellenwert nehmen zudem Schulranzen von unterschiedlichen Marken ein.

Neben Baby- und Kleinkindartikeln sowie Wohnaccessoires für Ältere – u.a. Glücksbringer und Schutzengel – kommen auch junge Leseratten nicht zu kurz. Hier wählt die Inhaberin nicht nach Bestsellerlisten, sondern nach ihrem persönlichen Bauchgefühl die Ware aus.

Auf ein umfangreiches Angebot an Bastelutensilien verzichtet man hingegen bewusst, wie Sandra Baeck erläutert: „Gleich um die Ecke befindet sich ein großes Bastelgeschäft, weshalb wir uns in diesem Segment auf Packungen bzw. Komplettsets beschränken – Einzelteile führen wir nicht.“ Im Spiele-Segment bleibt die Chefin ihrem Gestaltungskonzept ebenfalls treu. Demnach werden die Spiele nach Alter, nicht nach Hersteller sortiert, was den Kunden die Orientierung erleichtert.

Ein Laden zum Anfassen

„Bei der Idee zu einem eigenen Geschäft stand eine ausgefallene Immobilie als erstes auf meiner ’to-do-Liste’“, erläutert die erfahrene Geschäftsfrau. Wie die gebürtige Werdenerin beim Durchschreiten des Ladens näher ausführt, sei die alte Spindelfabrik ein reiner Zufallsfund und ein echter Glücksgriff gewesen. „Ich war sofort von den hohen Decken, den Stahlträgern und der Backsteinfassade fasziniert und dachte: Was bei mir funktioniert, muss auch bei den Kunden klappen.“

Nachdem Sandra Baeck bei der Familie ihres Mannes, der aus der historischen Spielwarenfamilie Roskothen stammt, mitgearbeitet hatte, machten sich die Eltern eines inzwischen erwachsenen Sohnes im Jahr 1998 mit einem Fachgeschäft in einem Einkaufszentrum selbstständig. Aufgrund stark steigender Mietpreise war ein Standortwechsel unumgänglich. „Hier am Stadtrand haben wir zwar jetzt keine klassische 1A-Lage mehr. Jedoch sorgt der Wochenmarkt, der jeden Dienstag und Freitag unmittelbar vor unserer Tür stattfindet, für viel Frequenz“, betont die Fachhändlerin. In den Anfangsjahren präsentierte man das Sortiment noch auf zwei Etagen. Heute wird das obere, gleich große Stockwerk ausschließlich als Büro und Lagerraum genutzt.

„Der Kunde vor Ort sowie der persönliche Kontakt zu ihm steht für uns immer an erster Stelle.“

Ebenfalls in unmittelbarer Nähe sind mehrere Schulen, Kindergärten und Seniorenwohnanlagen angesiedelt, was zusätzliche Kundschaft beschert. Neben Familien mit Kindern sind auch immer viele Senioren auf der Suche nach einem passenden Geschenk. Diese schätzen vor allen Dingen die kompetente Beratung des Personals. „Wir können uns glücklich schätzen, ein so höfliches und gutes Klientel zu haben. Es macht daher unglaublich Spaß, für dieses sechs Tage die Woche zu arbeiten“, erzählt Baeck stolz. Gerade am Wochenende herrscht reges Treiben in und vor dem Geschäft.

Der Kunde ist König

Um den Konsumenten bestmöglich zu unterhalten und zu versorgen, lässt sich das „Frechdachs“-Team einiges einfallen. So wird z.B. auf Wunsch Ware bestellt, die man nicht im Kernsortiment hat, oder man verpackt das eben gekaufte Produkt als Geschenk. Für gute Unterhaltung sorgen auch immer die regelmäßig stattfindenden Stadtteilfeste wie das Brunnenfest oder das Kürbisfest.

Prinzipiell sponsert das Unternehmen viel für bedürftige Kinder. So engagiert sich die Chefin höchstpersönlich beim Kinderzirkus, der stets in den Sommerferien stattfindet. Ebenfalls gut angenommen werden immer die Sticker-Tauschbörsen. Tolerant zeige man sich stets bei Umtauschaktionen bzw. Reklamationen. Auf Rabattaktionen verzichtet man hingegen bewusst, da die Spanne das in diesem Bereich nicht hergibt, wie die Geschäftsführerin ausführt: „Die Spielwarenbranche ist die einzige Branche, die zur Hauptsaison die Preise senkt.“ Zusammen mit ihren Mitarbeitern versucht sie, Konsumenten nicht über den Preis, sondern über eine Wohlfühl-Atmosphäre zu gewinnen. „Wir verkaufen über Persönlichkeit, das ist unser Steckenpferd“, so die Firmenchefin.

Werbung schaltet man überwiegend über soziale Medien sowie mit gelegentlichen Anzeigen in örtlichen Magazinen. „Viel geht bei uns auch immer über Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir haben uns in den neun Jahren, in denen wir hier sind, einen guten Ruf erarbeitet“, erklärt Sandra Baeck. Ein Online-Shop, den viele ihrer Kollegen bereits betreiben, ist derzeit aus logistischen Gründen für sie nicht realisierbar und aktuell auch gar nicht gewünscht. „Der Kunde vor Ort sowie der persönliche Kontakt zu ihm steht für uns immer an erster Stelle“, betont die Geschäftsfrau und fügt schmunzelnd hinzu: „Vielleicht ist das später eine Aufgabe für unseren Sohn, der aktuell eine Ausbildung zum Handelsfachwirt absolviert – somit wächst die nächste Generation heran.“

 

Der „Frechdachs“ , Essen-Kettwig

Gegründet: 1998, seit 2005 an diesem Standort

Inhaber: Sandra und Andreas Baeck

Verkaufsfläche: 170 m2

Mitarbeiter: 2 Geschäftsführer und 3 Teilzeitkräfte

Sortiment: Spielwaren, Outdoor-Produkte, Schulranzen, Geschenkartikel, Wohnaccessoires

Besonderheit: Das inhabergeführte Fachgeschäft ist nach Themen, nicht nach Lieferanten eingerichtet. Generell wird auf die Warenpräsentation großen Wert gelegt.