18.03.24 – Fachgeschäft des Monats

„Pfiffikus“, Nürnberg

Wohlfühl-Atmosphäre gepaart mit Kompetenz: Direkt um die Ecke vom Nürnberger Hauptmarkt führt Nicole Moser ihr erfolgreiches Spielzeuggeschäft „Pfiffikus“ gemeinsam „mit dem besten Team der Welt“ wie sie sagt.

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Das Team des Fachgeschäfts. © Pfiffikus

 
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Ein großer Kronleuchter sowie die großen Filzkreise zur Schalldämpfung fallen einem direkt ins Auge, wenn man das Fachgeschäft „Pfiffikus“ betritt. © Pfiffikus

 
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Jeden Morgen, wenn Nicole Moser ihr Geschäft betritt, denkt sie dankbar: „Wahnsinn, was das für ein schöner Laden ist.“ Auf 210 m² und drei Ebenen erstreckt sich der Concept-Store, in dem es neben hochwertigem Spielzeug, Puppen, Bastel-Utensilien, Jonglage und Kindermode, manchmal auch Deko-Artikel und Interior, zu kaufen gibt. „Klassische Brettspiele und Bücher wird es bei uns bald nicht mehr geben“, erzählt sie und verweist auf die nahegelegene Handelskette, die Aktionsprodukte zu Preisen anbietet, für die Nicole Moser sie einkauft. Sie konzentriert sich deshalb auf hochwertige Sortimente, für die sie sich bei den Herstellern zum Teil sogar einen Gebietsschutz hat eintragen lassen. Heißt: Im Umkreis von zwei Kilometern führt diese Marken niemand. Zu ihren Top-Lieferanten gehören Jellycat, Djeco, Maileg, Ostheimer und Modelabels wie Leevje.

Personal im Fokus

„Bei der Auswahl des Sortiments ist Qualität oberstes Kriterium“, erklärt Nicole Moser. „Außerdem wichtig sind die Herkunft und die Verpackung. Wenn ich eine verblisterte Verpackung sehe, schrecke ich zurück. Das kommt mir nicht ins Regal. Inzwischen kenne ich meine Kunden gut genug und begehe nicht mehr den Fehler, nur einzukaufen, was mir selbst gefällt. Außerdem habe ich eine Store-Managerin mit einem feinen Gespür, der ich blind vertraue.“ Dass sie das kann, zeigte sich unlängst beim Thema Kindermode. Ursprünglich wollte Nicole Moser ihr Angebot nicht in diese Richtung erweitern, nahm den Vorschlag jedoch an und steht nun kurz davor, den Bereich sogar auszuweiten, weil sie damit so gute Umsätze erzielt.

Überhaupt das Personal: Im „Pfiffikus“ sind sechs Mitarbeiter beschäftigt. Neben der Store-Managerin sind das eine Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte, eine Mini-Jobberin und ein Azubi, der nach seiner Ausbildung übernommen wird. Die derzeit kursierenden Personalprobleme kennt sie nicht. „Das liegt aber bestimmt auch daran, dass ich überdurchschnittlich gut bezahle, jedem Mitarbeiter ein Jobrad finanziere sowie je nach Umsatz Jahresprämien auszahle.

Handelsvertreter gerne gesehen

Die Zusammenarbeit mit Lieferanten läuft im „Pfiffikus“ gut. „Wir sind aber auch rigoros“, sagt Nicole Moser. „Wenn eine Zusammenarbeit nicht funktioniert, beenden wir sie. Ich bin überzeugt vom Konzept der Handelsvertreter. Manche von ihnen besuchen uns alle acht bis zehn Wochen. Ich wünsche mir regen Kontakt mit ihnen und wenn die Kommunikation klappt, dann klappt auch das Geschäft.“ Um sich selbst über Neuheiten auf dem Laufenden zu halten, fährt Nicole Moser u. a. zweimal im Jahr zur Trendset nach München und besucht die Spielwarenmesse. Eine immer größere Rolle spielen auch soziale Medien. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass Mitarbeiter neue Produkte aus dem Urlaub mitgebracht haben.

Blick nach vorn

Zum Erfolg verhilft „Pfiffikus“ mit Sicherheit die positive Einstellung seiner Inhaberin, die überzeugt ist, dass 2024 ein wahnsinnig gutes Jahr wird. „Es geht um die richtige Einstellung“, findet sie. „Ich bin verantwortlich für mein Personal, für den Einkauf und kann gewohnte Pfade verlassen und die richtigen Entscheidungen treffen. Der vergangene Sommer war aufgrund der politischen Umstände nicht so wirklich berauschend, aber mein Blick geht nach vorn. Meine Herausforderung, wenn man so will, besteht darin, noch genauer hinzuschauen wie es meinem Personal geht, was ich einkaufe und wie viel ich einkaufe.“

Nicole Moser mischt sich ins Tagesgeschäft des „Pfiffikus“ so gut wie gar nicht ein, sondern agiert eher im Hintergrund, beschäftigt sich mit den Zahlen, mit Ideen für die Weiterentwicklung des Ladens und betriebswirtschaftlichen Themen, die auf den ersten Blick eigentlich nichts mit dem Einzelhandel zu tun haben. Um weiterzukommen, davon ist sie überzeugt, muss man auch mal einen Blick über den Tellerrand wagen.

Geschichte des „Pfiffkus“

Dass sie das selbst beherzigt, zeigt ein Blick in den Lebenslauf von Nicole Moser. 20 Jahre lang war sie als Personalberaterin tätig und hatte sich sogar selbstständig gemacht. „Dann kam die Zeit, in der Personalüberschuss herrschte und Lohndumping auf dem Programm stand. Mein Beruf machte mir keinen Spaß mehr, also beschloss ich, meine Firma zu verkaufen“, erinnert sie sich. Als sie dann 2015 mitbekam, dass sich Sigrid Liebermann, damalig Inhaberin des „Pfiffikus“, in den Ruhestand zurückziehen möchte, war sie sofort Feuer und Flamme. Schließlich kaufte sie selbst dort das Spielzeug für ihren damals siebenjährigen Sohn. Ende des Jahres fand schließlich die Übergabe statt.

„Pfiffikus“ war seit seiner Gründung 1985 in der Ludwigstraße zu Hause und umgeben von zahlreichen weiteren Fachgeschäften. Als davon immer mehr aufgegeben wurden oder den Standort wechselten, kam Nicole Moser ins Grübeln. Bei einem Spaziergang während der Corona-Zeit entdeckte sie schließlich den Leerstand in der Plobenhofstraße und entschied kurzerhand, den Schritt zu wagen. Sie kontaktierte einen Nürnberger Ladenbauer und verpasste dem Spielwarengeschäft mit dem Umzug ein komplettes Facelift. Das Geschäft ist nun offen und modern, es herrschen Pastelltöne und Nudefarben vor. Für Behaglichkeit und Wohlfühlatmosphäre sorgen Raumdüfte, Filzkreise zur Schallminderung an der Wand und Easy-Listening-Musik. Besonderen Wert legt Nicole Moser auf die Gestaltung ihres neuen, großen Schaufensters, mit der sie Geschichten erzählen will, besonders zu Weihnachten. Im vergangenen Jahr gab es riesengroße Plüschchristbäume, Mäuse, die Schlittenfahren, und Krokodile auf Skiern.

Die Miete ist mit dem Umzug gestiegen, aber der Standort rentiert sich dennoch. „Das liegt auch an den Touristen“, sagt Nicole Moser. „Und an unseren Stammkunden, die wir mit Namen kennen, sehr persönlich beraten und denen wir größere Stücke auch mal nach Hause liefern.“

Den Kunden was zutrauen

Mit Blick in die Zukunft ist sich Nicole Moser sicher, dass ihr „Pfiffikus“ weiterhin erfolgreich sein wird und weiß auch schon genau, wie sie das sicherstellen wird: „Wir müssen ein bisschen mutiger sein und den Kunden mehr zutrauen. Man darf sie nämlich ruhig auch mal überraschen, indem man beispielsweise den Laden umkrempelt oder bestimmte Klassiker nicht im Sortiment hat, dafür tolle Alternativen. Mutig muss man sein. Und ein bisschen verrückt.“