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18.12.13

Schlauer einkaufen

«Die Geldbörse kann nun auch telefonieren», so der Slogan bei Edeka.

Mehr noch: Der Autoschlüssel kann bereits bezahlen. Und wenn Sie ohne Auto unterwegs sind, begleichen Sie Ihre Rechnung doch einfach mit Ihrem Fingerabdruck! Mobiles Payment ist und nur ein Beispiel für eine Reihe zukunftsweisender Technologien für den Einzelhandel.

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Bezahlen leicht gemacht: Dank neuester Technologien lässt sich inzwischen bereits mit dem Fingerabdruck an der Kasse die Rechnung begleichen.

 
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Was im Lebensmittel-Bereich gut funktioniert, kann auch im Non-Food-Segment wertvolle Hilfestellung geben: die «Mobile Produktlupe».

 
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Die «Mobile Produktlupe» ist eine von vielen Innovationen des Innovative Retail Laboratory (IRL) aus St. Wendel für mobile Endgeräte. Sie erlaubt nicht nur einen vertieften Blick auf das Produkt der Wahl, sie liefert zudem auch eine Vision davon, wie der Einzelhandel mit Hilfe von intelligenten Assistenzsystemen den großen Trends Impulse, Convenience und Sensory Shopping Rechnung trägt – und nicht zuletzt die Kunden von der Couch zurück in den Laden lockt. Vor einem Regal mit Artikeln, die den Verbraucher interessieren, startet er ein kleines Programm auf dem Smartphone – eine App. Die Kamera erkennt automatisch die Ware, ganz ohne Strichcode oder QR-Code. Über das Internet werden dann nach Wunsch Produktinfos oder sogar Videos bereitgestellt und im Live-Kamerabild des Smartphones als zusätzliche digitale Ebene angezeigt. Diese Technologie bezeichnet man auch als «Augmented Reality» (AR), also «Erweiterte Realität». Sie ermöglicht die Vorteile der digitalen Welt auch in der realen nutzen zu können. Von den «sprechenden» Produkten ist es nur ein kleiner Schritt zur Erfassung von Kaufgewohnheiten, Vorlieben und Suchanfragen. Dies ist die Grundlage einer personalisierten Verkaufsberatung, um dem Kunden ein höherwertiges Produkt (Upselling) oder zusätzliche Artikel und Dienstleistungen (Cross-Selling) mundgerecht anzubieten.

Mobiles Payment

Schlange stehen an der Kasse ist mit dem «Easy Checkout» in Zukunft passé. Der mobile und bargeldlose Bezahlvorgang, z.B. mit einer Kundenkarte, dem Autoschlüssel oder einem Handy, dauert gerade mal drei bis fünf Sekunden – wahlweise besteht auch die Möglichkeit, mit dem Fingerabdruck die Rechnung zu begleichen. Dabei ist dieser in einer Datenbank mit Kreditkarteninformationen verknüpft, auf die verschlüsselt zugegriffen wird. Der ausgedruckte Kassenbon enthält zusätzlich einen QR-Code, der mit Hilfe des Mobiltelefons die Verknüpfung zur digitalen Version des Kassenbons ermöglicht. «Jeder Artikel im Einkaufskorb besitzt einen individuellen Strichcode, der erkannt wird, wenn der Kunde durch eine RFID-Schleuse an der Kasse geht. Es muss nichts mehr extra aufgelegt und langwierig eingescannt werden», erläutert Dr. Ralf Jung, Leiter des IRL. Artikel, die der Kunde aus anderen Geschäften mitbringt, werden anhand des eindeutigen Produkt-Codes automatisch als «bezahlt» registriert. Positiver Nebeneffekt: Für Langfinger wird es somit schwierig, unbezahlte Waren aus dem Laden herauszuschaffen. Laut der IT-Trends-Studie 2013 des EHI Retail Institute wollen 18% der befragten Unternehmen künftig Self-Checkouts als Alternative anbieten und 10% das Self Scanning.

Chancen der visionären Technologien

Das digitale Gedächtnis, auf das die Produktlupe zurückgreift, könne laut Dr. Ralf Jung auch Auskunft über die einzelnen Inhaltsstoffe oder das Herkunftsland geben. Es erscheinen Kataloge, Rezeptvorschläge, Bauanleitungen oder Bilder– auch Spielwarenhersteller Lego hat das schon probiert. Je näher der Kunde dabei an das Produkt herantritt, desto differenziertere Informationen erscheinen auf seinem Bildschirm.Über ein personalisiertes Benutzerprofil können Marken-Favoriten, digitale Einkaufslisten, aber auch eine Altersbeschränkung bei Kindern eingerichtet werden. Die Produktlupe erkennt dabei immer genau, in welcher Abteilung und bei welchen Waren sich der Kunde gerade befindet und unterstützt ihn so beim Einkaufen. Hier verschmelzen die Online- und die Offline-Welt. Aber nicht nur im Geschäft können solche Applikationen einen nützlichen Mehrwert bieten. So wird dem Konsumenten beispielsweise ermöglicht, einen Style-Check bei der Küchenplanung bequem zu Hause vorzunehmen. Auf seinem Smartphone oder Tablet kann er sich die Wunschküche in den eigenen vier Wänden anschauen und prüfen, wie sie mit dem Innenraumdesign und dem Interieur harmoniert. Ein weiteres Extra der Produktlupe ist die Vergleichbarkeit. Nimmt man z.B. zwei Artikel aus dem Regal, können ähnliche Waren dank des eingebauten RFID-Funkchips in einer übersichtlichen Tabelle gegenübergestellt werden.

Im zweiten Teil unserer Handelsserie stellen wir die Vorteile «intelligenter» Regale und Kabinen vor und beleuchten die nachhaltigen Veränderungen, die 3D-Drucker auf den Einzelhandel haben können, wenn Endverbraucher zu Hause z.B. Spielzeug oder Designgegenstände selbst herstellen.

Unser Experte

Dr. Ralf Jung ist Leiter des Innovative Retail Laboratory (IRL), ein anwendungsnahes Forschungslabor des DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz), das in der Zentrale der Globus SB-Warenhaus Holding in St. Wendel eingerichtet ist. Diese enge Verbindung ermöglicht die Umsetzung der Forschung auf die konkreten Anforderungen des Handels von Morgen und beschleunigt den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis.

Neue Formen der Interaktion mit dem Kunden werden entwickelt und für den Einsatz getestet: von personalisierter Verkaufsberatung bis hin zum intelligenten Einkaufswagen, der den Weg anhand des Einkaufszettels plant und anzeigt, rezeptbasierte Kaufanregungen liefert, personalisiert auf passende Sonderangebote hinweist und Zusatzinformation zu den Produkten gibt.