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01.09.13 – Nachgefragt!

Sich seiner Stärken bewusst sein

Der mittelständische Handel verleiht Innenstädten ihre individuelle Ausstrahlung. Doch immer häufiger bestimmen Leerstand und Filialisierung das Bild. Wir haben drei Spielzeugfachhändler gefragt, wie sie ihre Position dabei sehen.

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Steffen Messedat sieht für den Fachhandel in der Innenstadt durchaus gute Chancen.

 
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Punktet mit einer ständigen Verfügbarkeit der Ware – Günther Letzel aus Heilbronn.

 
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Steffen Messedat (Beiratsvorsitzender Duo Schreib & Spiel), «Spielzeugland Messedat», Berlin:

«Aus einer speziellen Vergangenheit heraus, geprägt vom Ursprung im traditionellen Straßengeschäft über den Einzug in verschiedene Shopping-Center in Berlin, bin ich heute mehr denn je aus vollster Überzeugung Fachhändler! Mit unserem Laden sind wir nun seit 13 Jahren in den ‘Schönhauser Allee Arcaden‘ ansässig, einem sehr beliebten Shopping-Center in 1a-Lage im Herzen vom Prenzlauer Berg. Dem Vorteil einer hoch frequentierten Mall mit mehreren tausend Kunden täglich stehen natürlich gewisse Verpflichtungen gegenüber. Abgesehen von mehr als 66 Stunden Öffnungszeit zuzüglich einiger Sonntage sind eine turnusmäßige Shop-Modernisierung und langjährige Mietbindung im Bereich des Normalen. Leerstand ist bei uns kein Thema, obwohl wir eine hohe Konzentration von Shopping-Malls im näheren Umfeld haben. Trotz einiger sehr interessanter Angebote habe ich mich dazu entschlossen, jegliche Expansionsgedanken zu verwerfen und mich ausschließlich um den jetzigen Standort zu kümmern. Damit haben wir hier fast schon ein Alleinstellungsmerkmal, wenn man bedenkt, das in über 60 (!) Shopping-Centern in Berlin nur eine Hand voll individueller Fachhändler erfolgreich sind. Die Kunden honorieren diese persönliche Note, die spezielle Sortimentsauswahl, das engagierte und flexible Auftreten. Insbesondere in Zeiten des beliebten Einkaufs per Mausklick können wir hier sehr gut punkten. Unser Erfolg, verbunden mit einer absoluten Auslastung, lässt das Thema Online-Vertrieb für uns nicht zu, und darüber bin ich persönlich sehr glücklich! Entgegen dem allgemeinen Trend verbuchen wir Zuwächse. Als Vorsitzender der Werbegemeinschaft der ‘Arkaden‘ versuche ich immer wieder, aktionistische Highlights zu organisieren, wie zuletzt im Juni eine große Lego-Show. Derartige Aktivitäten bieten der Kundschaft unvergessliche Impressionen, das kann das Netz nie bieten. So bleibt man immer im Gespräch, Kunden mögen Verlässlichkeit, Vertrauen und Service-orientierte Anlaufpunkte – in welcher Branche auch immer. Insofern sehe ich sehr positiv in die Zukunft!»

Günther Letzel (Vedes-Mitglied), «Spielwaren Letzel», Heilbronn:

«Ja, ich bin aus voller Überzeugung Fachhändler in der Innenstadt – schließlich tragen wir mit unserem 600 m2 großen Spielwarengeschäft dazu bei, dass den Endverbrauchern ein individuelles Shoppingerlebnis geboten wird, mit dem das Internet nicht mithalten kann. Dies unterstützen auch die zahlreichen Veranstaltungen, die unser Stadtmarketing organisiert und die viele Besucher in die Stadt bringt. Aufgrund unserer Lage müssen wir auch gewisse Zugeständnisse machen. So können wir großvolumige Produkte wie Trampoline oder Kinderfahrzeuge nicht in hohen Stückzahlen vorrätig haben. Dank des Vedes-Kataloges können wir derartige Artikel aber problemlos bestellen und direkt zum Kunden liefern. Leider verlieren die Innenstädte in Deutschland in zunehmendem Maße ihr individuelles Erscheinungsbild – da haben wir in Heilbronn genau die gleiche Problematik wie andere auch. Es ist doch gerade der mittelständische, inhabergeführte Fachhandel, der zur typischen Atmosphäre und einem besonderen Flair beiträgt. Durch die zunehmende Filialisierung droht hingegen eine Gleichförmigkeit des Angebotes. Schuld daran sind die gestiegenen Mietkosten, so kann sich kaum ein kleiner Händler die begehrten 1a-Lagen leisten. Wir haben den entscheidenden Vorteil, dass wir über eine eigene Immobilie verfügen, das spart Kosten. Zu beklagen gibt es in Heilbronn durchaus den einen oder anderen Leerstand – nicht direkt in der Fußgängerzone, wo unser Geschäft ansässig ist, aber in den Nebenstraßen. Diese Situation ist für alle unbefriedigend, da dies für benachbarte Geschäfte eine zurückgehende Frequenz bedeutet. Zudem ziehen verstärkt Discounter ein. Als Fachhändler biete ich hingegen meinen Kunden eine hohe Kompetenz. Dazu gehört es, aktuelle und trendige Produkte sofort verfügbar zu haben, denn der Endverbraucher möchte die von ihm gewünschte Ware gleich mitnehmen. So haben wir das Sortiment großer Hersteller, wie z.B. von Hasbro, Mattel, Ravensburger, Revell und Lego, zu 98% vorrätig – das macht uns in dieser Hinsicht glaubwürdig. Zudem versuchen wir faire Preise anzubieten, um so unsere Kunden an uns zu binden.»

Thomas Schierling (Idee + Spiel-Mitglied), «Spielwaren Schierling», Schweinfurt:

«Für den mittelständischen Fachhandel wird das Überleben in den Innenstädten immer schwieriger. Das liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass die Endverbraucher zum einen zwar die Beratungskompetenz des Handels suchen, auf der anderen Seite aber lediglich den Preis des Discounters zahlen wollen. Diese Mentalität hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass immer mehr Geschäfte schließen mussten. Auch bei uns in Schweinfurt ist ein zunehmender Leerstand zu beklagen – jetzt sogar bereits in bevorzugten 1a-Lagen und im Shopping-Center gleich nebenan. Der Einzug von Döner-Buden, Handy-Shops und 1-Euro-Filialen mindert zudem die Attraktivität unserer City. Unser Stadtmarketing ist sich dieser gravierenden Entwicklung bewusst und ergreift verschiedene Maßnahmen, so können Kunden nun z.B. zu ermäßigten Kosten während des Einkaufs parken. Das ist gut so, denn wir benötigen unbedingt eine erhöhte Frequenz. Aufgrund unserer verkehrsgünstigen Lage direkt am Busbahnhof am Anfang der Fußgängerzone können wir uns zum Glück nicht über Zuspruch beklagen. So nutzen vor allem Schüler auf dem Weg nach Hause die Gelegenheit und schauen in unserem Geschäft vorbei. Auch die ältere Generation bevorzugt die gute Anbindung, um bei uns zu kaufen. Leider fehlt uns die mittlere Generation, die kaum noch den Weg in die Stadt findet. Es sind vor allem die Internet-User, die zwar die Ware bei uns in Augenschein nehmen, dann aber online bestellen. Künftig wird sich diese gesamte Problematik sicherlich noch verstärken. Meiner Meinung nach ist die Industrie mehr gefordert, dem Fachhandel Hilfestellung zu geben, denn schließlich geht es ja auch um deren Überleben. So bleibt z.B. die Schaufenstergestaltung dem Handel allein überlassen – hier würde uns, neben der Bereitstellung der Dekoartikel, auch eine finanzielle Beteiligung helfen. Warum also nicht einen gewissen Teil der Schaufenster an die Industrie vermieten?»