24.03.26 – Interview Carrera

„Haptische Spielerlebnisse gewinnen wieder an Bedeutung“

Genau wie die Spielwarenmesse feiert auch Revell in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag. Grund genug für einen Austausch mit Stefan Krings, CEO der Carrera Revell Gruppe, über seine Messe-Highlights, die Marke Revell und den Spielwarenmarkt im Allgemeinen.

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Stefan Krings © Carrera

 

das spielzeug: Herr Krings, die Spielwarenmesse 2026 liegt gerade hinter uns. Mit welchem Gefühl blicken Sie auf die Messe zurück, was waren Ihre Highlights?

Stefan Krings: Ich bin sehr zufrieden mit dem außergewöhnlich guten Feedback der Kunden zu unseren Produktneuheiten, wie beispielsweise zum Revell „Brick System“, den Revell „Flowers“ oder unserem Carrera Fußball Portfolio. Das Medienecho war ebenso sehr gut, führende Medien haben unsere Highlights hervorgehoben, ebenso haben wir hervorragende Social Media KPIs. Wenn in den Medien über die Spielwarenmesse berichtet wurde, kam Carrera-Revell als Synonym für Spielzeug.

das spielzeug: Revell feiert in diesem Jahr 75 Jahre Plastikmodellbau, die Spielwarenmesse ihr 75-jähriges Bestehen. Welche Bedeutung hat diese zeitliche Parallele für Sie und Ihr Unternehmen?

Stefan Krings: Dass Revell im selben Jahr 75 Jahre Plastikmodellbau feiert, in dem auch die Spielwarenmesse ihr 75-jähriges Bestehen begeht, unterstreicht die lange gemeinsame Geschichte der Branche und die enge Verbindung zwischen Innovation, Tradition und Austausch. Beide Jubiläen stehen für Beständigkeit, Vertrauen und kontinuierliche Weiterentwicklung in einem sich ständig wandelnden Markt. Für uns als Unternehmen ist diese Parallele auch ein Anlass, stolz zurückzublicken – auf 75 Jahre Leidenschaft für Modellbau – und gleichzeitig nach vorne zu schauen. Sie zeigt, dass klassische Spiel- und Freizeitwelten auch heute und in Zukunft relevant bleiben, wenn sie sich weiterentwickeln und nah an den Menschen sind.

das spielzeug: Revell steht seit Jahrzehnten für Modellbau-Kompetenz. Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Faktoren, die die Marke über 75 Jahre hinweg erfolgreich gemacht haben?

Stefan Krings: Der Erfolg beruht aus meiner Sicht auf mehreren zentralen Faktoren. Ein ganz wesentlicher Punkt ist die kontinuierliche Weiterentwicklung: Revell hat es immer verstanden, sich technisch, gestalterisch und thematisch weiterzuentwickeln, ohne dabei die eigenen Wurzeln aus den Augen zu verlieren. Ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor ist die enge, jahrzehntelange Verbindung zur Community. Revell hört seit jeher auf die Wünsche und das Feedback der Fans und lässt diese Impulse in Produktentscheidungen einfließen. Das schafft Vertrauen und eine starke emotionale Bindung zu unseren Produkten.

das spielzeug: Wie gelingt es Revell, traditionelle Modellbau-Fans zu halten und gleichzeitig neue Zielgruppen für das Hobby zu begeistern?

Stefan Krings: Von Flugzeugen über Schiffe und Autos bis hin zu Science-Fiction – bei Revell findet jeder das passende Modell. Diese Vielfalt sorgt dafür, dass die Marke generationenübergreifend relevant bleibt. Nicht zuletzt gelingt es Revell immer wieder, durch innovative Neuerungen neue Zielgruppen anzusprechen – sei es durch moderne Bausatzkonzepte, neue Themenwelten oder zeitgemäße Technologien. Abseits des klassischen Plastikmodellbaus gehören dazu etwa die „Click Systeme“ für Einsteiger, oder auch unsere „Tiny Adventures Book Nooks“ mit tollen Lizenzen wie „Harry Potter“, „Disney“ oder „Bridgerton“ und unsere ganz neue Reihe „Flowers“, die auch weibliche und jüngere Zielgruppen für das Hobby begeistern. Diese Mischung aus Tradition, Qualität und Innovationskraft hat Revell über Jahrzehnte hinweg erfolgreich gemacht und bildet auch heute die Basis für die Zukunft der Marke.

das spielzeug: Carrera „GO!!!“ feiert 25-jähriges Jubiläum. Was hat dieses System für die Entwicklung der Marke Carrera bedeutet – und warum ist es bis heute so erfolgreich?

Stefan Krings: „GO!!!“ ist ein sehr zentrales Fundament im Carrera-Portfolio. Das System bildet für viele Familien einen der ersten Kontaktpunkte mit der Marke und schafft damit langfristige Kundenbeziehungen. Strategisch ist „GO!!!“ ein wichtiges Bindeglied zwischen klassischen Kinderthemen und späteren Systemen wie DIGITAL 132 oder Hybrid. Viele Kundinnen und Kunden wachsen mit der Marke mit – vom ersten Duell im Kinderzimmer bis hin zu technisch anspruchsvolleren Systemen. Insofern ist „GO!!!“ nicht nur ein Einstiegsprodukt, sondern ein wesentlicher Bestandteil unserer Markenarchitektur. Bei den Brand Aktivierungsmaßnahmen steht „GO!!!“ im ganzen Jahr besonders im Mittelpunkt, von TV bis Social.

das spielzeug: Der Spielwarenmarkt verändert sich rasant – Stichwort Digitalisierung, verändertes Spielverhalten und neue Vertriebswege. Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für die Branche?

Stefan Krings: Wir greifen bei unserem Portfolio die Digitalisierung im positiven Rahmen auf, beispielsweise durch Innovationen bei Carrera „Hybrid“ mit neuen AI Features, oder bei „GO!!!“ und den neuen zusätzlichen Spieloptionen. Im Marketing verfolgen wir den First-Mover-Approach, um neue digitale Tools sinnvoll zu nutzen, wie bei Content oder Media. Bei den Vertriebswegen verfolgen wir seit vielen Jahren die Strategie, dass wir dort sind, wo uns der Verbraucher erwartet. Einzige Ausnahme sind die Cross-Border E-Commerce-Shops. Hier sehen wir unsere Ware nicht und fordern gemeinsam mit dem Verband die Schließung der Regulierungslücken, um Produktsicherheit herzustellen.

das spielzeug: Sowohl Modellbau als auch Rennbahnen sind bewusst haptische, analoge Spielerlebnisse. Warum sind gerade diese Eigenschaften heute wieder besonders relevant?

Stefan Krings: Gerade in einer zunehmend digitalen und permanent vernetzten Welt gewinnen haptische, analoge Spielerlebnisse wie Modellbau und Rennbahnen wieder stark an Bedeutung, sowohl für Kinder und Familien als auch für Kidults. Sie bieten eine bewusste Auszeit vom Alltag und vom ständigen Blick aufs Smartphone. Beim Bauen oder Fahren geht es darum, sich Zeit zu nehmen, den Kopf frei zu bekommen und ganz im Moment aufzugehen. Bei Rennbahnen kommt zudem das zusammenspielen mit Freundeskreis oder Familie hinzu.

Modellbau ermöglicht es, abzuschalten und zu entschleunigen. Die Arbeit mit den Händen, das präzise Zusammenfügen von Teilen und das sichtbare Entstehen eines Modells schaffen ein tiefes Gefühl von Konzentration und Zufriedenheit – etwas, das digitale Medien so nicht immer leisten können. Hinzu kommt der reale, haptische Kontakt mit Material, Formen und Mechanik. Das fördert Achtsamkeit, Kreativität und handwerkliches Geschick und spricht alle Sinne an.

das spielzeug: Zum Abschluss: Gibt es ein Produkt oder einen Moment aus der Unternehmensgeschichte, der für Sie persönlich die Faszination von Carrera oder Revell besonders gut widerspiegelt?

Stefan Krings: Seit 2020 sind wir als Carrera Revell Gruppe zusammen, deshalb steht dieser Moment für mich für das gemeinsame große Potential unserer Marken, das wir durch mannigfaltige Maßnahmen in der Gruppe zusammen auch in Zukunft heben werden.