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26.09.17 – Interview mit Paul Heinz Bruder

„Wir stehen zu unseren heimischen Werten“

Ist das Siegel „Made in Germany“ noch ein anerkanntes Qualitätssiegel und welche Bedeutung hat es für ein Unternehmen, hierzulande zu produzieren? Wir haben Paul Heinz Bruder, Geschäftsführer von Bruder Spielwaren, befragt.

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Plädiert für ein Qualitätssiegel „Made in Europe“: Bruder-Geschäftsführer Paul Heinz Bruder. © Bruder

 

das spielzeug: Herr Bruder, von der Idee bis zur Produktion und der Vermarktung erfolgt in Ihrem Unternehmen alles am Firmensitz in Burgfarrnbach, Fürth. Was bedeutet Ihnen das Gütesiegel „Made in Germany“?

Paul Heinz Bruder: Natürlich bedeutet uns das Gütesiegel sehr viel. Das liegt daran, dass sich die gesamte Tradition unseres Unternehmens an unserem historischen, ursprünglichen Standort in Burgfarrnbach entwickelt hat. Wir produzieren zwar mittlerweile zusätzlich in einem tschechischen Werk, doch der gesamte Markenwert von Bruder wurde in Deutschland aufgebaut. Das liegt uns weiterhin sehr am Herzen; dabei hilft natürlich ein solches Siegel. Insgesamt jedoch denken wir international; wir haben neben dem Werk in Tschechien auch eine Niederlassung in den USA sowie Vertretungen in zahlreichen Ländern.

 

das spielzeug: War bzw. ist es für Sie nie ein Thema gewesen, in preiswertere Länder auszuweichen?

Paul Heinz Bruder: Im Gegenteil: Dadurch, dass wir seit jeher die Synergieeffekte aus Entwicklung, Produktion und Vertrieb am Standort Burgfarrnbach weiterentwickeln konnten, war es möglich, die Produktion dort auch zu forcieren. Das Spielzeug, das wir herstellen, hat sich aufgrund seiner Qualitätsmerkmale stets bestens im heimischen Markt verkaufen können. Wir waren immer in Deutschland wettbewerbsfähig, erfolgreich, und hier liegt auch unsere Identität. Dass wir seit 2014 rund 200 Kilometer entfernt im tschechischen Pilsen in ein Werk investiert haben, hat nichts mit Billigproduktion zu tun, sondern einzig damit, dass wir unsere Kapazitäten ausbauen wollen. Wir stehen zu unseren heimischen Werten.

 

das spielzeug: Sie exportieren Ihre Produkte in zahlreiche Länder. Wo haben Sie aktuell den größten Erfolg und in welchen Nationen sehen Sie in den nächsten Monaten und Jahren noch Potenzial?

Paul Heinz Bruder: Die EU, die ich unseren Heimatmarkt nenne, ist unser wichtigstes Absatzgebiet, dort haben wir die größten Erfolge, und dort werden wir auch weiter investieren. Bedeutsam ist für uns neben der EU auch Russland, obwohl die politischen Bedingungen aufgrund des Wechselkurseinflusses zu Schwierigkeiten beim Export führen. Wir haben dort jedoch gute Vertriebsstrukturen; die Verbraucher mögen unsere Marke.

 

das spielzeug: Welchen Stellenwert nimmt das Label „Made in Germany“ im Ausland ein? Ist das deutsche Qualitätssiegel dort nach wie vor ein schlagendes Argument?

Paul Heinz Bruder: In einem gesamteuropäischen Markt, der mittels der EU stärker zusammenwächst, verlieren einzelne Gütesiegel zunehmend an Bedeutung. Gleichwohl ist „Made in Germany“ vor allem bei technisch orientierten Produkten noch von großer Bedeutung. In Asien ist das Gütesiegel „Made in Germany“ ein gern gesehenes Statussymbol und Produkte mit dieser Auszeichnung werden als hochwertig angesehen.

 

das spielzeug: Inwieweit nutzen Sie das Siegel „Made in Germany“ beispielsweise für Werbezwecke?

Paul Heinz Bruder: Die Produktqualitäten nähern sich zwar immer mehr an, wie gesagt. Und natürlich nutzen wir das Gütesiegel gerne. Doch ich persönlich hielte es für viel nachhaltiger, wenn wir künftig ein Siegel „Made in Europe“ hätten, das gemeinsame Werte und Normen symbolisiert. Das wäre zukunftsweisend, weil es zum einen für ein geeintes Europa stehen würde, weniger für die Nationalstaaten, die wir jetzt noch haben. Zum zweiten haben ja viele Unternehmen über mehrere EU-Staaten Produktionsstandorte verteilt. Ein „Made in EU“ käme den europäischen Unternehmen entgegen und würde den Verwaltungsaufwand zum Beispiel für Ursprungszeugnisse reduzieren.