25.08.26 – Jörg Schmale im Interview

KI, Nachhaltigkeit, CEO-Power: Das bringt die Kind + Jugend 2026

Wie verändert KI die Baby- und Kleinkindbranche? Welche Nachhaltigkeitskriterien zählen im Handel und warum lohnt sich der direkte Austausch mit den Top-Entscheidern? Jörg Schmale, Director der Kind + Jugend, über die Messehighlights 2026, neue Trends und konkrete Verkaufsimpulse.

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Jörg Schmale, Director Kind + Jugend © Kind + Jugend

 

das spielzeug: Das Leitthema 2026 lautet ‚Growing with AI – New opportunities for the baby & toddler products industry‘. Welche konkreten Anwendungen erwarten Sie auf der Messe hinsichtlich KI und wo sehen Sie den größten kurzfristigen Nutzen für den Handel?

Jörg Schmale: Künstliche Intelligenz (KI) wird bei uns als Querschnittsthema für die gesamte Baby und Kleinkindausstattungsbranche verstanden. Sie betrifft längst nicht mehr nur die Produkte selbst, sondern reicht bis in Produktentwicklung, Produktion, Marketing und Kundenkommunikation hinein. Besonders in der Produktion sehen wir großes Potenzial, Prozesse zu optimieren und Kosten zu senken. Gleichzeitig eröffnet KI die Chance, Produkte smarter, sicherer und stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen von Familien auszurichten. Im Möbelbereich kann KI zum Beispiel Kippgefahren simulieren und so mögliche Unfälle im Voraus verhindern oder Layouts für Kinderzimmer vorschlagen, die zu den unterschiedlichen Altersphasen des Kindes passen. Auch Betten lassen sich künftig z. B. mit individueller Schlafanalyse ausstatten.

das spielzeug: Was macht den Messebesuch für Hersteller und Handel besonders wertvoll und wo sehen Sie die größten Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahren?

Jörg Schmale: Für 2026 und 2027 erwarten wir rund 700 Aussteller aus 50 Ländern, über 90 % der Ausstellungsfläche sind bereits belegt. Marktführer wie Cybex, BabyBjörn, Britax Römer, Uppababy und Thule haben frühzeitig zugesagt – ein starkes Signal für den Markt. Den größten Mehrwert bietet aus meiner Sicht die Anwesenheit des CEO-Levels bei allen großen Ausstellern, denn das macht die Gespräche vor Ort besonders wertvoll. Am bewährten Konzept der Messe wird sich grundsätzlich nichts Großes ändern. Neu ist allerdings die Anpassung der Innovation Award Kategorien: „Sustainability & Nature“ ist nun als Querschnittskriterium in den sechs verbleibenden Kategorien verankert und läuft nicht mehr separat.

das spielzeug: Welche Angebote der Kind + Jugend bringen den Besuchern am meisten und was würden Sie Ausstellern raten, damit aus Kontakten messbare Orders werden?

Jörg Schmale: Besonders wertvoll für unsere Besucher sind der New Product Trail, der einen Überblick über ausgewählte Produktneuheiten bietet, sowie der Trend Space als Anlaufstelle für spannende Impulse – insbesondere zum Leitthema. Auch die Nominierungen für den Innovation Award sind für Besucher wichtige Orientierungspunkte. Die Aussteller können und sollten „Lead Success“ nutzen: Durch einfaches Einscannen des Besucher-Badges erhalten sie alle hinterlegten Informationen zum Besucher, was eine deutlich genauere Nachverfolgung aller Kontakte ermöglicht, das funktioniert sogar von App zu App. Und dass Aussteller proaktiv auf Besucher zugehen, ist auch noch nicht bei jedem Aussteller angekommen.

das spielzeug: Viele Aussteller kommunizieren Nachhaltigkeit, aber der Handel braucht belastbare Verkaufsargumente. Welche Nachweise, Labels oder Kriterien werden auf der Kind + Jugend aus Ihrer Sicht wirklich entscheiden?

Jörg Schmale: Jede Themenwelt hat ihre eigenen, wichtigen Labels. Bei Stoffen weisen Labels wie GOTS oder Oeko-Tex auf nachhaltig produzierte Produkte hin, bei Möbeln sind es eher Labels wie FSC oder PEFC. Bei Produkten, bei denen die Sicherheit im Vordergrund steht, sollten Labels wie GS oder, speziell in Deutschland, eine TÜV-Zertifizierung wichtige Indikatoren sein. Ein CE-Label sollte inzwischen ohnehin selbstverständlich sein. Im Zweifel hilft ein direktes Gespräch mit dem Aussteller darüber, wie und wo er seine Produkte herstellt und welche Sicherheitschecks das Produkt durchläuft.

Und wie bereits erwähnt, ist „Sustainability & Nature“ keine eigene Award Kategorie beim Innovation Award mehr, sondern als Entscheidungskriterium in den sechs verbleibenden Kategorien verankert, also Moving & Travelling, Furniture & Facility, Toys & Education, Maternity & Kids Fashion, Mom & Kids Care und Safety & Monitoring. Unser Ziel ist es, dass Nachhaltigkeit branchenübergreifend als zentraler Bestandteil von Innovationen gelten soll.

das spielzeug: Welche drei Trends erwarten Sie in Köln am stärksten – etwa bei Mobilität und Sicherheit, Kinderzimmer, Mode, Pflege oder Spielwaren?

Jörg Schmale: Im Bereich Kinderzimmer erwarte ich vor allem das Thema Multifunktionalität: Möbel, die mit dem Kind mitwachsen und dadurch langlebig sind, neue Kombinationsmöglichkeiten sowie einen modularen Aufbau von Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Dazu kommen pädagogisch durchdachte Raumkonzepte, etwa gezielt gestaltete Lernräume, sowie der Einzug smarter Gadgets wie Schlafüberwachung per App oder Sensoren für Atmung und Temperatur. Im Bereich Mobilität wächst der Convenience Faktor für Eltern spürbar, zum Beispiel durch immer leichter faltbare Kinderwagen, bessere Reinigungsmöglichkeiten oder verbesserte Wickelsysteme. Beim Spielzeug setzt sich der pädagogische Mehrwert schon im frühen Alter zunehmend durch. Und in der Babymode wird Nachhaltigkeit immer wichtiger, sichtbar etwa an Bio-Baumwolle, Naturfasern oder speziell recyceltem Stoff.