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05.01.18 – Interview mit Stephanie und Michael Gerharz von aprilkind

Vom Blog zum erfolgreichen Start-up

Ob „Twonster“, „Furlocks“ oder die „Schlafmützen“: In der Spielwarenbranche sind diese drei erfolgreichen Plüschgruppen schon lange keine Unbekannten mehr. Dass dahinter eine professionelle Ideenschmiede steckt, ist weniger bekannt. Daher haben wir mit Stephanie und Michael Gerharz von aprilkind gesprochen, um mehr über ihr Start-up zu erfahren.

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Sind ein eingespieltes und kreatives Team: Stephanie Gerharz und ihr Mann Michael, die Geschäftsführer von aprilkind. © aprilkind

 
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Sind glaubwürtige Botschafter fürs Einschlafen: die „Schlafmützen“ von Nici, aus der Feder von aprilkind. © aprilkind

 
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das spielzeug: Frau Gerharz, Sie hatten schon immer eine Leidenschaft für das Kreative. Vor sechs Jahren starteten Sie mit einem Blog, der die Grundlage für das Unternehmen aprilkind bildet. Was war jedoch der ausschlaggebende Grund, Ihr Hobby zum Beruf zu machen?

Stephanie Gerharz: Als ich anfing, den aprilkind-Blog zu schreiben, suchte ich einfach eine Plattform, auf der ich meine Designs zeigen konnte, an eine Karriere in der Spielwarenbranche dachte ich dabei nicht.

Michael Gerharz: Steffis außergewöhnliche Designs für Selbermacher zogen rasch eine große Fan-Gemeinde an. Wir eröffneten – quasi über Nacht – einen Online-Shop und erarbeiteten uns schnell einen Ruf für hochwertige Rund-um-Sorglos-Projekte, bei denen unsere Kunden regelmäßig von ihren Freunden und Familien hörten: „Wow, das hast du selbst gemacht?“

Stephanie Gerharz: Und das war für uns wundervoll. Wir taten das, was uns selber begeisterte, und machten damit andere glücklich.

das spielzeug: Die Entwicklung der „Twonster“ kann als Sprungbrett ihrer Karriere bezeichnet werden. Doch dabei ist es nicht geblieben. Mit den „Furlocks“ und den „Schlafmützen“ stammen weitere Erfolgsprodukte aus Ihrer Feder. Hatten Sie jemals mit so einem durchschlagenden Erfolg gerechnet?

Stephanie Gerharz: Wir sind immer einen Schritt nach dem anderen gegangen, damals wie heute. Also nein, dass einmal Kinder auf der ganzen Welt mit unseren Designs spielen, davon hatten wir vielleicht geträumt, aber gerechnet sicher nicht.

Michael Gerharz: Der Erfolg der „Twonster“ traf uns unvorbereitet und wir starteten zunächst noch weitere Do-It-Yourself-Projekte. Erst als uns dann die Ideen zu den „Furlocks“ und den „Schlafmützen“ kamen, lösten sie bei uns ein Aha-Erlebnis aus. Das war es, was wir machen wollten. Wir sind überwältigt, dass sie bei Kindern und Eltern so gut ankommen.

das spielzeug: Als Lehrerin und promovierter Informatiker haben Sie quasi als Quereinsteiger den Sprung in die Spielzeugbranche gewagt. Haben Sie diesen Schritt je bereut?

Stephanie Gerharz: Michaels Fähigkeit, einfach alles auf den Punkt zu bringen, und meine pädagogischen Kenntnisse unterstützen uns heute optimal bei der Entwicklung. Aber zurück? Nein, das können wir uns nicht vorstellen.

Michael Gerharz: Klar, wir müssen uns um Dinge kümmern, die in großen Unternehmen von der IT-Abteilung oder der Reisekostenstelle übernommen werden. Aber wenn uns eine Idee begeistert, können wir dafür auch mal alles stehen und liegen lassen, um uns drei Wochen in diese Idee zu vertiefen.

das spielzeug: Woher nehmen Sie stets die neuen kreativen Ideen?

Stephanie Gerharz: Insbesondere sind wir ja auch selber Eltern und spielen gerne mit unseren Kindern. Und wir gehen mit offenen Augen durch die Welt. Wir wundern uns oft und gern. Sehen wir etwas, fangen unsere Köpfe sofort an zu rattern: Wie können wir das kombinieren? Würde das auch als Spiel funktionieren? Kann man daraus eine Geschichte machen?

Michael Gerharz: Allerdings ist Kreativität eben auch zu 99 % „Nein-Sagen“. Manchmal frustriert das, wenn man Wochen in ein Projekt gesteckt hat, von dem man erst dann erkennt: Das funktioniert so nicht. Wir trösten uns dann damit, immerhin wieder etwas gelernt zu haben.

das spielzeug: Plüschfiguren gibt es derzeit wie Sand am Meer. Wodurch unterscheiden sich Ihre Artikel von den anderen, sprich, was muss ein Plüschtier mitbringen, damit es für Sie perfekt ist?

 Michael Gerharz: Kinder wollen mit ihren Kuscheltieren nicht nur kuscheln, sondern spielen. Eltern wiederum ist wichtig, dass ihre Kinder sich mit pädagogisch wertvollem Spielzeug beschäftigen. Je besser beides vereint ist, umso größer ist das Potenzial der Produkte. Oft wird allerdings versucht, eine Story oder einen pädagogischen Aspekt nachträglich für das Marketing überzustülpen.

 Stephanie Gerharz: Wir glauben, dass die Kunden das durchschauen. Wir suchen Geschichten, die nicht aufgesetzt sind, sondern die untrennbar mit dem Produkt verbunden sind, so wie bei den „Schlafmützen“, die authentisch das Thema Schlafen repräsentieren, weil sie selber einschlafen können. Oder bei den „Furlocks“, deren Motto „Offen für Freunde“ nicht einfach übergestülpt ist, denn die Geschichte hinter den „Furlocks“ ergibt sich ganz natürlich aus der Funktion des Plüschs.

Michael Gerharz: Tolles Design mit einem Überraschungserlebnis, eine stimmige Story, mit der sich die Kinder identifizieren können und die hohen Spielwert bietet, und pädagogischer Anspruch, das suchen wir bei unseren Produkten.

das spielzeug: Neben Schmidt Spiele, Simba und Nici arbeiten Sie ab 2018 auch mit Coppenrath und der Spiegelburg zusammen. Können Sie uns dazu schon mehr verraten?

Stephanie Gerharz: Das ist zwar streng geheim, aber wenn ihr es nicht weitersagt. Es wird natürlich wieder um ein pädagogisches Thema mit hohem Spielwert gehen. Erstmals starten wir mit Buch und Plüsch gleichzeitig. Aber mehr dürfen wir jetzt wirklich noch nicht verraten. Daneben gibt es in 2018 mit Unterstützung der Lizenzagentur glam auch viele weitere Kooperationen rund um die „Schlafmützen“ – u. a. mit Bullyland und Panini.

das spielzeug: Nun noch eine persönliche Frage zum Schluss: Was ist für Sie das Schönste an Ihrer Arbeit?

Stephanie Gerharz: Zu sehen, dass unsere verrückten Ideen sowohl Erwachsene als auch Kinder in echtes Staunen versetzen und einen Aha-Effekt auslösen, mit dem sie nicht gerechnet haben.

Michael Gerharz: Mit über 40 Jahren und drei Kindern sind wir in einem Alter, in dem der „Ernst des Lebens“ in vollem Gange ist. Wir aber haben Jobs, die uns ganz oft in Situationen bringen, in denen wir einfach spielen dürfen. Es macht uns einfach Spaß, auszuprobieren, zu verwerfen, neu zu machen. Ganz wie Kinder, für die der Weg das Ziel ist. Wir dürfen das auch, lange in den Kreativmodus abtauchen und dabei die Zeit vergessen und neugierig sein.