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24.07.17 – Interview mit Bernd Jiptner, SGS

„Wer an Produktsicherheit spart, verspielt Vertrauen“

Bernd Jiptner ist Spielzeug-Experte bei der internationalen Prüfgesellschaft SGS. Im Interview mit das spielzeug erläutert er u. a., wo er im Bereich Spielzeugsicherheit noch Optimierungsbedarf sieht.

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Sieht die Stärke der SGS in ihrem internationalen Netzwerk: Bernd Jiptner. © SGS

 
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Die SGS-Gruppe überlässt hinsichtlich sicherem Spielzeug nichts dem Zufall und testet daher in den Laboren Teddys, Autos und Co. auf Herz und Nieren. © SGS

 

das spielzeug: Gerade bei Spielzeug sind Verbraucher, was Qualität und Sicherheit angeht, besonders sensibel. Wie kann – und muss – Produktsicherheit nachhaltig gewährleistet werden?

Bernd Jiptner: Die Umfrage zur aktuellen SGS-Verbraucherstudie zeigt, dass mehr als 70 % der Bundesbürger Angst davor haben, dass sich Kinder an fehlerhaftem Spielzeug verletzen. Weitere 66 % fürchten, dass Spielwaren schädliche Chemikalien enthalten. Die Angst vor Produktmängeln ist hoch – vor allem bei Müttern und in einkommensstarken Haushalten. Hersteller und Händler sollten ihre Prioritäten richtig setzen und in unabhängige Qualitätskontrollen investieren: Wer an Produktsicherheit spart, verspielt Vertrauen! Kommt es nämlich zu Produktmängeln, drohen nicht nur haftungsrechtliche und betriebswirtschaftliche Risiken, sondern auch langfristige Reputationsschäden. Jeder zweite enttäuschte Kunde kauft nie wieder Produkte des Herstellers. Gleichzeitig teilt er negative Erfahrungen im Internet. Dort lesen andere Konsumenten dann die schlechten Bewertungen.

das spielzeug: Stichwort Produktsicherheit: Was ist dabei Aufgabe des Herstellers, und was muss der Händler leisten?

Bernd Jiptner: Die Deutschen unterscheiden bei negativen Produkterlebnissen nicht zwischen Händler und Hersteller. Sie sehen beide in der Verantwortung. Zuerst spürt das der Einzelhandel. Dort gehen die Kundenbeschwerden ein. Und schlimmer noch: Jeder sechste Deutsche meidet das Geschäft, in dem er mal ein minderwertiges Produkt erworben hat. Häufig schlägt die Unzufriedenheit dann zusätzlich auf die Marken der Hersteller.

das spielzeug: Wo sehen Sie hinsichtlich der Spielzeugprüfung noch Optimierungsbedarf?

Bernd Jiptner: Als international tätige Prüfgesellschaft engagiert sich die SGS in einigen länderübergreifenden Arbeitskreisen des Bundeswirtschaftsministeriums, der AQCIQ und der GIZ. Dort sehen wir momentan zwei große Aufgaben. Zum einen die Harmonisierung von Sicherheitsstandards zwischen Deutschland und Produktionsländern wie China und Indien.

Zum anderen bringt der wachsende E-Commerce neue Herausforderungen. Verbraucher kaufen heute über Online-Marktplätze direkt bei ausländischen Produzenten. Kleinstmengen können so direkt per Post verschickt werden. Damit können sie oftmals die Qualitätskontrollen unterlaufen, die sonst von Großhändlern, Importeuren oder dem Zoll vorgenommen werden.

das spielzeug: Welche Serviceleistungen bietet SGS den Herstellern?

Bernd Jiptner: Die Stärke der SGS ist ihr internationales Netzwerk. Wir betreiben Prüflabore überall dort, wo Spielzeug produziert wird. Sei es in Shenzhen in China oder in Indonesien. Unsere Experten haben die länderspezifischen Regelungen im Blick. Wo gibt es neue lokale Grenzwerte? Oder was muss beim Export von Spielwaren nach Saudi-Arabien beachtet werden?

Dieses Wissen geben wir gerne weiter. Oft halten wir Seminare bei Spielwarenunternehmen. Aktuell organisieren wir zudem gemeinsam mit dem DVSI und der Bundesregierung eine länderübergreifende Schulungsreihe, bei der chinesische Spielzeugproduzenten für deutsche Sicherheitsanforderungen sensibilisiert werden.

das spielzeug: Woran können Händler ein „sicheres Spielzeug“ erkennen?

Bernd Jiptner: Die Erwartungen der Verbraucher gehen mittlerweile über die Beschaffenheit des konkreten Produktes hinaus. Sicheres Spielzeug zu erkennen, wird darum immer schwieriger. Die hohen Ansprüche übertragen sich auch auf die Produktionsbedingungen. Eltern wollen sichergehen, dass Spielzeug für ihre Kinder unter keinen Umständen von anderen Kindern gefertigt wird.

Mindestens ebenso wichtig sind Verbrauchern auch Fragen des Umweltschutzes. Händler sollten ihre Lieferanten in die Pflicht nehmen und Transparenz einfordern. Sie sollten sich – gerade bei neuen Geschäftspartnern – Testberichte akkreditierter Prüflabore vorlegen lassen sowie Zertifikate entsprechender internationaler Sozial-Standards wie BSCI oder SA8000.