02.01.26 – Interview mit Christian Ulrich

„Das Jubiläum ist für uns ein besonderer Meilenstein“

Ob Marktführer, Nischenanbieter oder innovative Start-ups – Jahr für Jahr bringt die Spielwarenmesse Hersteller, Händler sowie Branchenexperten aus aller Welt zusammen. 2026 feiert sie ihre 75. Ausgabe – mit zahlreichen Sonderaktionen, neuen Serviceangeboten und einem gewohnt hochwertigen Rahmenprogramm. Wir haben mit Christian Ulrich, Sprecher des Vorstands der Spielwarenmesse eG, über das Jubiläum, die strategische Bedeutung der Messe und die Highlights der kommenden Ausgabe gesprochen.

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Christian Ulrich, Vorstandssprecher der Spielwarenmesse eG © Spielwarenmesse eG/Ingmar Wein

 

Herr Ulrich, 75 Jahre Spielwarenmesse – was macht diesen Anlass so besonders für Sie und das Team?

Christian Ulrich: Das Jubiläum der Spielwarenmesse ist für uns ein besonderer Meilenstein. Seit ihrer ersten Ausgabe hat sich die Messe stetig weiterentwickelt. Sie hat Trends aufgegriffen, wichtige Impulse gesetzt und damit die weltweite Branche maßgeblich mitgeprägt. Für zahlreiche Unternehmen war die Spielwarenmesse das Sprungbrett für ihren Erfolg. In den vergangenen 75 Jahren hat sie sich als das Leitevent der internationalen Toy Community etabliert. Wir sind stolz darauf, diese Erfolgsgeschichte gemeinsam mit allen Wegbegleitern zu feiern.

Wie hat sich die Messe im Laufe der Jahrzehnte verändert – und was ist Ihrer Ansicht nach das Erfolgsrezept, das sie bis heute zur weltweit wichtigsten Branchenveranstaltung macht?

Christian Ulrich: Als „Deutsche Spielwaren-Fachmesse“ hatte die Veranstaltung zu Beginn noch einen nationalen Fokus. Ihre Öffnung für internationale Aussteller war bereits 1958 ein entscheidender Schritt. Sie ermöglichte es der Veranstaltung, stetig zu wachsen – ebenso der Umzug auf das heutige Messegelände in den 70er Jahren. Mit der Einführung von Produktgruppen, die über die Jahre laufend an aktuelle Marktentwicklungen angepasst wurden, konnte der Messenutzen für Industrie und Handel stetig gesteigert werden. Dank der zunehmenden Digitalisierung kamen in den letzten Jahrzehnten immer wieder neue Tools hinzu, welche die Messeteilnahme für Aussteller, Händlerinnen und Einkäufer weiter vereinfachten. Die Spielwarenmesse bietet der internationalen Branche ein ideales Umfeld für ein effizientes Business. Dank der Mischung aus Marktführern und innovativen Start-ups sowie den hohen Anteil an Entscheidern unter den Fachbesuchenden bildet sie eine zentrale Plattform für Networking und Austausch. Gleichzeitig ist die Messe mit ihren themenspezifischen Specials und ihrem umfangreichen Vortragsprogramm eine wichtige Inspirationsquelle und zentraler Wissensvermittler.

Was dürfen Besucher und Aussteller zur Jubiläumsausgabe 2026 erwarten? Gibt es besondere Aktionen oder Programmpunkte zum 75-jährigen Bestehen?

Christian Ulrich: Bereits im Vorfeld stimmen wir die Toy Community auf das Jubiläum ein. Eine Social-Media-Aktion sowie unser Online-Magazin Spirit of Play liefern eindrucksvolle Fakten sowie informative Hintergrundberichte rund um die Weltleitmesse. Außerdem sind alle Branchenteilnehmenden aufgerufen, ihre persönlichen Messe-Erlebnisse mit uns und der Community zu teilen. Auch während der Veranstaltung wird einiges geboten: Mit einer interaktiven Ausstellung vor dem zentralen Eingang Mitte geben wir spannende Einblicke in die Historie der Spielwarenmesse. Ein besonderes Highlight: Auf dem gesamten Gelände feiern zahlreiche Aussteller das Jubiläum mit eigenen Aktionen. Darüber hinaus läutet die RedNight am Donnerstagabend ein großes Feuerwerk ein. Auch die ToyCity Nürnberg wird in die Feierlichkeiten integriert: Während der Messe illuminieren wir zentrale Orte in der Innenstadt in Jubiläumsrot.

Welche Services und Tools bieten Sie speziell dem Fachhandel, um sich auf der Messe effizient zu orientieren und gezielt einzukaufen?

Christian Ulrich: Mit unserer App und unserer Business-Plattform Spielwarenmesse Digital stehen dem Fachhandel zwei perfekte Tools zur Verfügung. Darüber haben Händlerinnen und Händler Zugriff auf die umfangreiche Ausstellerdatenbank. Diese lässt sich gezielt nach Unternehmen, Produkten, Marken sowie Lizenzen filtern. Die Ergebnisse können anschließend als Favoriten abgespeichert werden. Für einen unkomplizierten Messebesuch sorgen außerdem unsere interaktiven Hallenpläne. Über die Spielwarenmesse App erhalten Nutzerinnen und Nutzer Informationen zu ihrem aktuellen Standort und finden in Echtzeit den kürzesten Weg zu ihrem nächsten Termin.

Was können Sie uns schon zum Rahmenprogramm der Messe erzählen?

Christian Ulrich: Am Messemittwoch feiert die Value of Play Conference im Toy Business Forum Premiere. Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen – etwa aus dem Bildungsbereich oder der Ludologie – widmen sich in Vorträgen und Diskussionsrunden vielfältigen Facetten des Spielwerts. Im Fokus stehen dabei Themen wie spielerische Erziehung, die Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen, das Phänomen Kidults sowie das Spielen unter außergewöhnlichen Bedingungen, beispielsweise in Kriegsgebieten. Direkt im Anschluss folgt die Verleihung des ToyAward an die Gewinner. An allen Messetagen liefert das Toy Business Forum mit einem abwechslungsreichen Programm, internationalen Speakern und innovativen Formaten wertvolle Impulse für die Branche. Im Mittelpunkt stehen dabei u. a. die Themen KI, Community Building, die ToyTrends 2026 sowie aktuelle Entwicklungen im Handel. Zudem lädt die „Networking Break“ zur Mittagszeit bei Live-Musik und Snacks von verschiedenen Foodtrucks zum Vernetzen ein. Einblicke in die spannende Welt der Lizenzen bietet wieder die LicenseLounge mit den LicenseTalks im Foyer Halle 12.0. Am Donnerstagabend sorgt die RedNight mit Standpartys für perfekte Networking-Möglichkeiten. Und schließlich bieten wir einen Tag später mit der Game Inventors Convention im NCC Mitte kreativen Köpfen erneut eine Plattform, um ihre Prototypen den Spieleverlagen vorzustellen.

Wie bringen Sie Start-ups, innovative Produktideen und junge Labels in den Fokus der Besucher?

Christian Ulrich: Wer sich über Produktideen von jungen, aufstrebenden Unternehmen informieren möchte, ist in der StartupArea genau richtig. Die Gemeinschaftsfläche in Halle 3A rückt nationale und internationale Unternehmen in den Fokus. Zur Jubiläumsausgabe erstrahlt die Area in neuem Glanz. Besonders innovative Produktkonzepte von Start-ups zeichnen wir außerdem mit dem ToyAward aus. Die Gewinner sowie die Nominierten werden auf der ToyAward Sonderfläche vorgestellt, die sich ebenfalls in Halle 3A befindet. Besucherinnen und Besucher, die sich bereits vorab über die teilnehmenden Start-ups informieren möchten, empfehle ich, einen Blick in unser Ausstellerverzeichnis auf Spielwarenmesse Digital zu werfen. Dieses lässt sich gezielt nach jungen Unternehmen filtern.

Die Messe findet physisch in Nürnberg statt, wird aber digital flankiert. Welche Services stehen Besuchern und Ausstellern online zur Verfügung – vor, während und nach der Messe?

Christian Ulrich: Für unsere Aussteller bieten wir im Vorfeld verschiedene Webinare an, um sie optimal auf ihre Messeteilnahme vorzubereiten. Mit Spielwarenmesse Digital haben sie außerdem die Möglichkeit, ihre Präsenz über den Messeauftritt hinaus zu erweitern und ihre Sichtbarkeit zu verbessern. Das eigene Unternehmensprofil kann z. B. um Produktbilder und -videos sowie Marken- und Lizenzeinträge ergänzt werden. Inbegriffen ist außerdem der LeadScan: Über die Spielwarenmesse App lassen sich Besuchertickets schnell und einfach scannen. Dabei werden die Kontakte automatisch erfasst und können später ausgewertet werden. Auch Fachbesucherinnen und -besucher unterstützen wir mit unserer Business-Plattform optimal bei der Vorbereitung – etwa mithilfe des bereits erwähnten Ausstellerverzeichnisses, den interaktiven Hallenplänen und verschiedener Kommunikationstools, welche die Terminvereinbarung mit ausstellenden Firmen vor der Messe erleichtern.

Wohin entwickelt sich die Spielwarenmesse aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren? Gibt es strategische Neuausrichtungen oder neue Konzepte in Planung?

Christian Ulrich: Auch in Zukunft behalten wir den Spielwarenmarkt genau im Blick, um unser Messekonzept laufend an die Bedürfnisse von Industrie und Handel anzupassen und neuen Anforderungen gerecht zu werden. Der enge Austausch mit der Branche ist dabei von zentraler Bedeutung. So werden wir Formate wie den Spielwarenmesse Dialog, der jährlich im Vorfeld der Messe die wichtigsten Akteure direkt in den jeweiligen Ländern zusammenbringt, weiter vertiefen. Darüber hinaus werden wir weiterhin ein zentraler Impulsgeber für die Branche sein – nicht nur auf der Spielwarenmesse selbst, sondern ganzjährig als zuverlässige Informationsquelle z. B. mit unserem Online-Magazin „Spirit of Play“, Podcasts oder Streaming-Angeboten auf Spielwarenmesse Digital.

Was wünschen Sie sich persönlich zum Jubiläum – und was möchten Sie der Branche mit auf den Weg geben?

Christian Ulrich: Mein Wunsch ist, dass die Spielwarenmesse auch künftig ein Treffpunkt ist, der für alle Teilnehmende richtungsweisende Impulse – sowohl als Networking-Plattform als auch bei der Neuheitenpräsentation – bereithält. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig persönlicher Austausch, Inspiration und partnerschaftliche Zusammenarbeit für die Spielwarenbranche sind. Von der Branche wünsche ich mir: Bleiben Sie neugierig, mutig und offen für Veränderungen. Die Spielwarenwelt lebt von Innovation, Kreativität und der Freude, Menschen miteinander zu verbinden.

Sie haben schon zahlreiche Spielwarenmessen in den vergangenen Jahren erlebt. Gibt es ein Messe-Highlight, das Sie nie vergessen werden?

Christian Ulrich: Eigentlich ist jede Messe für uns als Veranstalter ein Highlight – in welchem Unternehmen hat man schon alle seine Kunden gleichzeitig zu Besuch? Eine herausragende Besonderheit war aber sicherlich die erste Veranstaltung nach der Pandemie. Wir hatten einen der stärksten Restarts in der Messebranche, was eindrucksvoll demonstriert hat, wie wichtig gerade in unserem Markt die menschliche Begegnung ist.